Wieder da!!

So, frisch und gesund geht es nun mit "üs" und ßs" zum vorerst (man muss sich immer das Hintertürchen für eine mögliche Fortsetzung offen halten) letzten Beitrag aus unserem Südamerika-Trip:

Natürlich hat unsere Abreise nicht wirklich so problemlos gefluppt, wie ich das optimistischer Weise bereits im letzten Thread angekuendigt hatte. Denn was wir bei all unseren Planungen nicht mit einkalkuliert hatten war der Busfahrerstreik der Busgesellschaften in Cochabamba. Diese hatten sich am Nachmittag vor unserer Nachtfahrt scheinbar überlegt die einzige Straße zwischen unserem aktuellen Aufenthaltsort und La Paz voll zu sperren und zwar auf unbestimmte Zeit! Ihr könnt Euch unsere ausgeklappten Unterkiefer vorstellen, als wir nachts um 22 Uhr am Busbahnhof angetrabt und von dieser Aktion in Kenntnis gesetzt worden sind. Aber wie immer hilft es ja nicht, sich groß aufzuregen und wir traben zurück in unser Hostal. Der Opa der Herberge hat in unserer Abwesenheit die Preise angezogen und will für das Zimmer, das wir wohl gemerkt erst um 22.30 Uhr beziehen möchten, plötzlich 100 Bolivianos haben (also eine Preissteigerung um 25%) - wir lehnen dankend ab und naechtigen nebenan für nur 75 Bolivianos (sogar noch 5 Bs gespart), schließlich brechen wir morgens um 6 Uhr wieder zum Busbahnhof auf, um nach dem aktuellen Stand der Dinge zu fragen. Jener ist aber unverändert und zwingt uns langsam zum Handeln, wenn wir nicht unsere Flüge nach Deutschland verpassen wollen. Etliche Taxifahrten, Cafébesuche und Gänge zur Tourist-Info später lösen wir die letzten drei Tickets für einen Flug nach La Paz am Sonntagabend mit TAM (Transporte Aero Militar). So schlugen wir immerhin gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen war der Transfer nach La Paz gesichert, selbst wenn sich die streikenden Busfahrer überlegen ihre Blockade bis zum Sanktnimmerleinstag fortzusetzen. Und zum anderen brauchten wir uns auch keine Gedanken mehr darüber zu machen, wie wir in La Paz zum Flughafen kommen.

Gesagt getan, am Sonntag um 18 Uhr hebt die Militärmaschine mit uns gen La Paz an, wo wir uns auf unsere mittlerweile 4. Übernachtung auf einem Flughafen einstellten. Die Nacht im Aeropuerto La Paz reiht sich im inoffiziellen "Gute-Nacht-Ranking" hinter den Flughäfen Zürich und Lima ein, aber belegt noch mit Abstand einen Platz vor Caracas. Zur Begründung: Positiv in die Bewertung flossen sowohl der Burgerking-Stand als auch ein zwar teures, aber funktionierendes Internet-Café im öffentlichen Bereich des Flughafens mit ein. Auch der harte, saubere Steinfliesenboden bot im hinteren Bereich eine geeignete Rückzugsmöglichkeit, um im Schlafsack eingewickelt, mit dem Kopf auf dem Rucksack die Augen für ein paar Stündchen zu schließen. Allerdings tauchten nach den obligatorisch nachtaktiven Putzfrauen auch noch zwei Polizisten mitten in der Nacht (es muss so gegen 3 Uhr gewesen sein) auf, die immer was von plata in den mochilas faselten, was wir aber schlaftrunken nicht auf Anhieb verstanden, bis uns aufging, dass sie von Silber (sprich: Geld) in den Rucksäcken sprachen. Wir versicherten Ihnen, dass wir keine Geldbündel in den Rucksäcken deponiert hätten und genossen die letzten paar Stunden Schlaf bis 6.30 Uhr. Denn zu dieser Zeit öffnete das Café, vor dem wir lagen, und es wurde ein wenig hektisch. Mit einem angemessenen Frühstück im Bauch verlassen wir schliesslich La Paz und fliegen nach Santiago de Chile. Aus was für einem Grund auch immer, ist es für Flugzeuge aus Bolivien nach Chile wohl Gang und Gäbe in Iquique zwischenzulanden, um dort die Einreiseformalitäten zu erledigen. Es dauert also keine Stunde und auch wir befinden uns mitten in der Wüste auf einem Flughafen, wo wir uns ein paar Stempel in den Reisepass knallen lassen.  Da Chile, allen voran die Abgesandten der staatlichen Agrarbehörde, riesige Panik vor eingeschleppten Seuchen à la BSE und Kartoffelkäfer hat, ist es strikt verboten landwirtschaftliche Produkte sei es tierischer oder pflanzliche Art ins Land einzuführen. Neben einer eidesstattlichen Erklärung, die man schon im Flugzeug ausfüllen musste, wird auch das Gepäck mit Argus-Augen gefilzt. Naja, eigentlich eher mit Argus-Händen, denn nach einem uns unbekannten System stehen plötzlich nach dem Passieren des Immigrationshäuschen einige Gepäckstücke in der Halle, die von den jeweiligen Besitzern geöffnet werden müssen, damit die Zollbeamten/Agraramt-Heinis darin rumwühlen können. Komischer Weise gibt es kein Röntgengerät für die Koffer. Unser Gepäck ist glücklicherweise nicht dabei, sodass bei uns lediglich das Handgepäck unter die Lupe genommen wird. Wir hoffen inständig, dass sich die Rucksäcke noch im Flieger befinden, den wir ein Stündchen später wieder besteigen, um den Flug nach Santiago fortzusetzen. In der Tat können wir unsere Rucksäcke wenig später wieder in der chilenischen Hauptstadt wieder in Empfang nehmen. Des Wartens und Fliegens bereits ein wenig überdrüssig stellen wir uns auf einen fast 20-stündigen Aufenthalt am Flughafen in Santiago ein, den wir mit Mensch-Ärger-Dich-Spielen (Ein Mitbringsel für einen Freund von Michael), Dunkin' Donuts Besuchen und natürlich Schlafen verkürzen. Letzteres klappte abgesehen von insgesamt 3 Kloputzaktionen in der Nacht auch recht gut, denn wir haben uns dieses Mal in den Bürobereich des Flughafens gelegt, der sogar mit Teppich ausgelegt ist und wo ansonsten keine Touris rumschlendern. Die verbliebenen Stunden vor Abflug zogen sich wie Kaugummi und auch im Flugzeug selbst will die Zeit nicht richtig vergehen, dabei saßen wir sogar noch zwischen der Partyfraktion im Flieger, eine bestimmt 15-köpfige Reisegruppe aus spanischen Rentnern, die sich über dieses und jenes amüsierten. Dreizehn Stunden und viel Wasser in den Füßen später betreten wir nach fast 3 Monaten erstmals wieder europäischen Boden und zwar den von Madrid. Die Cola aus dem Automaten kostet endlich wieder das 8fache von dem Preis, den wir in Bolivien gezahlt haben und auf den Klos gibt es nicht nur Klopapier - nein, man darf es sogar auch wieder in die Schüssel zum Runterspülen schmeißen. Wir bleiben im Transitbereich und fliegen weiter nach Zürich, unserer vorletzten Station unseres Projekts "Heimflug". Mit zusammengebissenen Zähnen, einem Fokus und 'ner Cola sitze ich die letzten 5 Stunden bis zum GermanWings Flug nach Köln am Abend ab. Zwischenzeitlich bringen Svenja und Michael ihre Rucksäcke schon mal mit dem Privattaxi (Der Fahrer, ein Kumpel von Michael, heisst auch Michael) nach Biel, ziehen sich um und kehren rechtzeitig wieder an den Flughafen zurück. Ein letztes Mal lassen wir die Sicherheitshinweise der Stewardess über uns ergehen, stellen unsere Rückenlehnen senkrecht, die Mobilfunkgeräte aus und das Rauchen ein, klappen das Tischchen hoch, legen den Sicherheitsgurt an und halten die Rettungswege frei. Ganz ungewohnt für uns, hebt der Flieger pünktlich um 17.50 Uhr in Zürich ab und landet ebenso pünktlich um 18.30 in Köln/Bonn, wo uns meine Eltern auch schon erwarten. Nach einer kurzen Konfusion, wo denn der Wagen jetzt geparkt ist, meistern wir auch diese Komplikation und sind endlich wieder zuhause.

Und was war wohl unsere erste Mahlzeit im Good Od Germany? Natürlich eine ordentliche Portion Sauerkraut mit Kassler und Kartoffeln - dazu ein kühles nach dem Reinheitsgebot gebrautes Bier.

Lecker!

28.2.08 20:56

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