Hasta luego, Peru...

Kommen wir nun zur letzten Etappe unserer Perureise, die ich vor wenigen Minuten bereits komplett verfasst habe, aber wegen des Auslaufens der Sitzung nicht bloggen und damit speichern konnte. Wundert Euch also nicht, wenn ich mich kurz fasse, aber mein Grips reicht leider nicht aus, um den gesamten Tag zu rekonstruieren und es wird spaeter und spaeter und ich habe ordentlich Wut in der Backe. Tja, so spielt das Leben, nuetzt nix hier sind die letzten sieben Tage im Schnellueberblick:

Von Arequipa ging es ja nach Puno an den Titicacasee. Puno bezeichnet sich selbst, als Hochburg der Folklore und des Karnevals, sodass wir spontan den Beschluss fassen, ebensolche Hochburg schnellstmoeglich wieder zu verlassen, ehe die Festivitaeten am Sonntag und Montag ihren Hoehepunkt erreichen. Irgendwie fragen wir uns, warum es hier verdammt noch mal keinen Aschermittwoch gibt. Naja, wir verplanen die uns verbleibende Zeit einfach mit den touristischen Highlights der Region, die in einer Besichtigung Sillustanis (das sind Grabtuerme aus der Zeit der Inka und sogar noch davor) sowie einer Zweitagestour auf die bewohnten Schwimmenden Inseln und die "feste" Insel Taquile, wo die Maenner noch ihre eigenen Muetzen stricken. An diesen Zipfelmuetzen erkennt man nicht nur den Familienstand der Traeger (rot = verheiratet; weiss-rot = Single) sondern auch den Gemuetszustand (Zipfel nach rechts = gluecklich; Zipfel nach links = muerrisch). Unseren Beobachtungen zufolge sind die meisten Maenner auf Taquile paradoxer Weise verheiratet und gluecklich - komisch. Als wir auf Taquile anlegen, erwartet uns zunaechst ein anderhalb Kilometer langer Aufstieg zum Plaza Mayor, wo uns eine Gastfamilie zugewiesen wird, die uns ein Nachtlager bieten soll. Als Gastgeschenk bringen wir eine Tasche voll frisches Obst und Gemuese aus Puno mit, da laut Reisefuehrer eben jenes knapp sei. Im Gegenzug duerfen wir ein 8qm grosses Zimmer beziehen, in dem sich zwei wackelige Betten in L-Form auf dem kargen Lehmboden befinden. Orlando befoerdert kurzerhand noch die Rucksaecke und Kleidungsstuecker der Touris, die wohl die Nacht davor hier verbracht haben, aus unserem neuen Quartier, sodass der Zimmerservice recht fluechtig ausfaellt. Wir kommentieren die schammeligen Decken, auf denen sich leicht muffiges Konfetti zu hungrigem Ungeziefer gesellt nicht weiter und schlagen ein Angebot fuer ein Abendessen nach Besichtigung der Sanitaeranlagen aus. Denn warmes oder gar fliessendes Wasser ist Mangelwahre, stattdessen faellt unser Blick auf einen Wassereimer, der neben dem Plumsklo steht, und der simultan als Klospuelung, Geschirrreinigung und zum Haendewaschen fungiert. Mit eingefrorenem Laecheln begeben wir uns auf Inselerkundung, die uns wieder etwas zuversichtlicher stimmt. Wir entdecken naemlich nicht nur ein nettes, kleines familiengefuehrtes Restaurant, wo man vorzueglich gebratene Forelle verspeisen kann, sondern auch die Insel an sich ist landschaftlich aeusserst reizvoll. Terassenartige Felder, auf denen Mais, Kartoffeln und Coca angebaut wird wechseln sich mit Eukalyptosbaeumen (fragt mich nicht, wie die nach Peru kommen) ab. Die rund 24 Stunden auf der Insel verfliegen mit Umherwandern, Kartenspielen und Sonnegeniessen.

Zurueck in Puno verprassen wir unser restliches peruanisches Geld und schlemmen im Ukuku's ein hervorragendes Alpaca-Geschnetzeltes mit geduenstetem Gemuese in Sahnesauce mit frisch gekochtem Apfelkompott. Mit nur 7 Soles (entspricht nicht ganz 2 Euro) in der Tasche brechen wir am naechsten Morgen zum Busbahnhof auf, wo wir gleich 3 Soles Abfahrtsteuer fuer unsere Fahrt nach Bolivien blechen. Kurz vor der Grenze haelt der Reisebus, damit wir das restliche Geld zu einem miserablen Kurs in bolivianische Bolivianos tauschen koennen. Die eigentliche Grenzueberquerung muessen wir dann zu Fuss bewaeltigen. In einer Horde aus Japanern, Amis, Einheimischen und einer Handvoll Oesis marschieren wir durch insgesamt drei Oficinas, um uns mit reichlich Stempeln einzudecken. Schliesslich haben wir Peru endgueltig den Ruecken gekehrt und fahren das letzte Stueck wieder mit dem Bus nach Copacabana (einem Touristaedchen, nach dem auch der beruehmtere Strand in Rio benannt ist). Das bolivianische Copacabana am Titicacasee hat nicht wirklich viel zu bieten, sodass uns hier nichts laenger halt als 2 Tage. Denn neben noch mehr leckerer Forelle und ausgesprochen gutem Wetter, existiert hier nichts Bleibenswertes - im Gegenteil: Auch hier wuetet der Karneval.

So begibt es sich, dass wir schon 2 Wochen vor Rueckreise in La Paz sind. Die inoffizielle Hauptstadt Boliviens (denn Sucre hat den offiziellen Titel inne, wenngleich die Regierung in La Paz sitzt - Niederlande laesst gruessen) kann bisher nicht gross punkten. Denn im Gegensatz zu den peruanischen Staedten, die wir besucht haben, wird hier in La Paz nicht sehr viel wert auf inner-staedtische Naherholung gelegt. Begruente Plaetze, Parks oder ruhige Fussgaengerzonen sucht man hier vergebens, stattdessen trifft man auf laermenden und stinkenden Verkehr, heruntergekommene Bauten und schaebige Maerkte. Aber wir geben der Stadt morgen einen zweiten Versuch. :D

Allmaehlich setzt aber auch schon der Wehmut ein, da sich unser Abenteuer Suedamerika langsam dem Ende entgegenneigt. Schon bald bin ich ein hundsgewoehnlicher Arbeitsloser in Deutschland, dessen Tagesaufregung im deprimierenden Gang zum Briefkasten besteht, wo er seine Bewerbungsabsagen herausfischt. Aber Zeit zum Truebsalblasen bleibt noch genug... Jetzt gilt es erst mal die letzten zwei Wochen mit weiteren erinnerungswuerdigen Momenten zu fuellen, damit ich mich spaeter an die "gute alte Zeit in Suedamerika" erinnern kann.

 

12.2.08 02:02

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