Helau!

¡Hola Ihr Jecken!

Ja, auch in Peru wird Karneval wie gestoert gefeiert. Gut, es gibt weniger "maskierte Huren" und besoffene Clowns, aber im Grunde bestehen die Festivitaeten hier auch aus reichlich Umzuegen, Feuerwerk (getreu dem Motto: besser laut als bunt), Musik und vor allem "jeckem Verhalten". Denn schon seit Wochen ist es hier ueblich, ahnungslose Passanten, die gerne auch Touristen sein duerfen, mit Wasserbomben oder ganzen Wassereimer-Ladungen zu begluecken. Und wenn das grad nicht zur Hand, greift man auf Partyschaum aus der Spraydose zurueck. Dessen Wirkung entfaltet sich allerdings erst so richtig, wenn man es zielgenau aus dem Beifahrer-Fenster des vorbeirauschenden Taxis einsetzt. Da wir sowohl Wasser wie Schaum meiden moechten, hetzen wir derart nervoes umblickend durch die engen Gassen Arequipas, dass jede hinter dem Ruecken gehaltene Hand fuer uns das untruegliche Zeichen zum Strassenseitenwechsel darstellt. So aehnlich muss man sich als Weisser nachts in den Bronx fuehlen, nur dass man da eher Messer und Revolver unter dem Pullover vermutet...

Diesem lustigen Treiben entkommt man selbst in den abgelegensten Doerfern nicht. Denn nach unserer Nachtfahrt von Cusco nach Arequipa, haben wir nach kurzem Aufenthalt eine 3 Tages-Tour zum Canyon de Colca (dem 2.-tiefsten Canyon der Welt, der tiefste liegt nur wenige Kilometer entfernt ebenfalls in Peru) eingeplant. Natuerlich hiess das erneut: Kurze Naechte und lange Fahrten, aber das sitzen wir mittlerweile auf einer Backe ab. Erster Stop war am Auslaeufer des Canyons in Chivay, einem trostlosen und staubigen Doerfchen mit 5000 Einwohnern, von denen mal mindestens 5 eine Hospedaje angeboten haben und 10 weitere einen kleinen Minimarkt (meist fensterlos) mit den notwendigsten Lebensmitteln fuehren. Unser Hunger treibt uns in eine Garage, in der 3 Tische mit Tischdecken und Serviettenhalter stehen. Auf Anfrage wird uns versichert, dass hinter dem Holzverschlag mit Durchreiche tatsaechlich Menues zubereitet werden und zwar nur fuer 4 Soles. Auf dem Menueplan stehen irgendwas vom Alpaka (kennt Ihr ja schon von den Pullovern, aber diese Lama-Art kann man auch gut verspeisen) und zu Vorspeise eine Suppe, deren Namen wir mit Cebolla-Sopa, also Zwiebelsuppe uebersetzen. Tja, aber da sollten uns unsere Castellano-Kenntnisse noch ordentlich hinters Licht fuehren. Denn tatsaechlich gab es Sémolla-Sopa, was nichts anderes ist als Griess-Suppe und vom Alpaka gab es sehr zum Leidwesen von Michael Leber. Svenja und mir hat es trotzdem gemundet. :D Hatte schon lange keine Leber mehr.

Am Busbahnhof bei der Ankunft wollte uns so ein Heini auch gleich ein "Boleto Turistico" fuer 35 Soles aufdruecken, mit dem wir angeblich Zugang zu allen Sehenswuerdigkeiten im Canyon haetten. Die Seriositaet dieses Tickets stand fuer uns allerdings im Zweifel, denn waehrend der dt. Reisefuehrer einen Nationalpark-Eintritt erwaehnt, bezeichnet der Lonely Planet die Gebuehr fuer fragwuerdig, sodass wir trotz Androhung von Gefaengnis erst mal dankend ablehnen. Am naechsten Morgen ist der Typ wohl noch im Bettchen, als wir um 4 Uhr gen Cabanaconde aufbrechen, dem Doerfchen, von wo unsere Trekkingtour in den Canyon ohne Fuehrer und nur mit stilisierter Karte auf einem DinA6 Zettel beginnt. Leider lungert auch hier ein Boleto-Verkaeufer herum, der uns kurz nach dem Aussteigen abfaengt und uns mit bestimmt guten Argumenten das ueberteuerte Ticket aufzwingen will. Wir bleiben aber standhaft und vertroesten ihn mit "mas tarde" (spaeter) fuer den Moment. In der tiefsten Nebelsuppe eiern wir morgens um 6.30 Uhr durch die verlassenen Gassen, kippen einen Mate-Tee hinunter und kaufen uns 6 kleine Broetchen fuer 1 Sol, ehe wir uns auf die Suche nach dem Weg begeben. Rund eine Stunde irren wir zwischen Mauleselpfaden und landwirtschaftlichen Nutzwegen herum, ehe uns zwei Schaeferinnen (vielleicht 13 und 9 Jahre alt) in den terassenartigen Maisfeldern aufgabeln und uns auf den offensichtlichen Pfad fuehren. Mittlerweile ist es 8.30 Uhr und wir beginnen mit dem Abstieg in den Canyon. Der Weg hinunter zum Colca-Fluss ist steil und steinig, man kommt also nicht wirklich schnell vom Fleck, aber immerhin verzieht sich so langsam der Nebel. Gut anderthalb Stunden spaeter haben wir uns die 1000 Hoehenmeter in Serpentinen hinunter gekaempft und wackeln ueber die Haengebruecke. Unser einziges Gepaeck ist Svenjas Trekking-Rucksack, der gute 10 Kilo wiegt und bis auf eine Schwaechephase von Michael getragen worden ist. Unten am Fluss ist es ploetzlich knackig heiss und wir tragen Sonnencreme auf, ehe uns ein saftiger Aufstieg (500 Hoehenmeter) zum naechsten Dorf fuehrt. Oben angekommen - Michael geht mittlerweile auf dem Zahnfleisch - erwartet uns ein Carnevalsfest zu Ehren der Vrgen de la Candelera, was die Getraenkepreise auf das 5fache des Normalpreises schnellen laesst. Wir haben allerdings keine Wahl und schlagen zu. Ein Mittagessen ist hier allerdings ein Ding der Unmoeglichkeit, sodass wir in der prallen Sonne weiter muessen. Auch im nahen Nachbardorf, ist wegen des Festes alles ausgeflogen und uns wird klar. Wir muessen ins dritte Doerfchen, wo wir auch vorhatten zu uebernachten, damit aus dem Essen noch was wird. Besagtes Dorf liegt allerdings wieder unten am Fluss, sodass wir die hochgekaempften Hoehenmeter wieder runter muessen. Todesmutig klemmt Svenja sich nun den Rucksack auf die Schultern und wir schleichen abwaerts. Voellig abgekaempft erreichen wir schliesslich San Juan de Chucclo, wo uns Gloria von der Strasse aufgabelt, uns ein leckeres Mittagsessen zaubert, uns ein Zimmer anbietet uns sogar mit heissem Wasser in der Dusche ueberrascht. Fuer uns das Paradies auf Erden. Wir schlafen noch vor dem Abendessen ein, wachen aber noch rechtzeitig auf. Mit vollem Bauch geht es gleich wieder ins Bett, denn die Nacht wird kurz. Um 2.30 Uhr klingelt der Wecker und im Kerzenschein packen wir den Rucksack, den dieses Mal ich auf den Ruecken geschnallt bekomme und wir strampeln uns mit Stirnlampen bewaffnet im Gaensemarsch die letzten 1000 Hoehenmeter zur Canyonkante hinauf. Die Kombination aus Hoechstbelastung inklusive Schweissausbruechen mit der nebligkalten Canyonluft schreit zwar nach Erkaeltung, aber wir erfreuen uns bis dato bester Gesundheit. Den Nebel unter uns lassend wandern wir zwar mueder aber doch stolz die letzten Meter an der Kante des Canyons entlang und freuen uns ueber die ersten waermenden Strahlen am noch jungen Morgen. Da kein Boleto-Verkaeufer in Sicht ist, huschen wir in den Bus zurueck nach Arequipa und verschlafen fast die gesamte Fahrt. Selbst ein mystischer koreanischer Thriller, bei dem es um eine verrueckte Schwester geht, die glatzkoepfig immer auf der Suche nach einer Langhaarperruecke ist, kann uns dank spanischer Synchronisation nicht wirklich fesseln.

In Arequipa selbst geniessen wir die Vorzuege der Grossstadt, was bedeutet: Billiges Internet, leckerer Kaffee, Supermarkt und Smalltalks mit anderen Touristen (haben sogar zwei deutsche Abiturientinnen getroffen, die fuer ein Jahr durch Suedamerika tingeln). Gut, Michael wurde zwischendurch mal von Prostituierten in den Schritt gefasst, aber ich glaube, das war lieb gemeint.

Morgen brechen wir dann zum Titicaca-See nach Puno auf. Aber vorher verlinke ich Euch noch flott ein Lied auf Youtube, das hier in den Radios und Musikkanaelen rauf und runter laeuft.  Viel Spass beim Anhoeren und schoen tapfer weiterlesen:

http://www.youtube.com/watch?v=M6mFtjU-MIE

4.2.08 21:45

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sabine (5.2.08 15:49)
hauptsache du siehst bei deiner rückkehr nicht aus wie der sänger


Susanna (6.2.08 18:00)
SALSA!!!
Ich hoffe du siehst die gleichen verrückten Tänzer auf der Straße, die JEssi in Argentiniern erlebt hat.

Aber seit wann magst du Saw?????

Grüße!

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