Amo Peru

Hey ihr Lurker,

mit gemischten Gefuehlen habe ich die ersten Kommentare und Gaestebucheintraege vernommen. Mit Bildern ist hier auf myblog.de nicht viel, sodass ich meine Kreativitaet beim Textdesignen nicht gaenzlich ausschoepfen kann, aber wenn jemand von Euch noch eine andere Plattform kennt, wo man mehr Speicherplatz hat, sich nicht gross anmelden muss, nix zahlt und von jedem x-beliebigen Internet-Café drauf zugreifen kann, dann nur raus mit den Vorschlaegen.

Just in diesem Moment sitze ich in einem Internet-Café in Lima. Die 10-stuendige Busfahrt von Mérida nach Caracas war mit Muetze, Schlafsack, Socken und zwei Kannen Tee recht vertraeglich. Auch der Transfer zum Flughafen verlief via Metro, Fussmarsch und singendem Taxifahrer wie am Schnuerchen, sodass wir trotz kleinerer Turbulenzen, die bei rund 15 % der Passagieren einen erbitterten Run auf das einzige Boardklo ausloesten, heil und zeitig in Lima gelandet sind. Nachdem wir wieder ein halbes Stuendchen an der Uhr gedreht haben, befanden wir uns um 23.30 Uhr Ortszeit (also 6 Stunden hinter der MEZ) am Flughafen in Lima und stellte mit Freude fest, dass so gut wie alle Geschaefte und Imbissbuden 24 Stunden geoffnet waren. Also noch flux einen Imbiss bei McDonalds eingeschoben und in der Wartehalle ein kleines Nachtlager ausgebreitet. Die Nacht verlief angenehm ruhig und gemuetlich, bis um 3 Uhr morgens das grosse Stuehleruecken begann, damit eine Wischmaschine den eh schon blitzblanken Boden noch sauberer schrubben konnte. Wir also mitsamt den rund 200 Stuehlen aus der Wartehalle in eine Ecke verkrochen, die Maschine durchsausen lassen und zurueck in die Heia. Am naechsten Morgen bei Dunkin' Donuts gefruehstueckt (igitt) und ab in ein rammelvolles Collectivo in die City von Lima.

Collectivos sind kleine und hoffnungslos veralterte VW-Busse, in denen man mit bis zu 20 Fahrgaesten, teilweise auf Fresbee-Scheiben grossen Sitzkissen gerne auch mal gegen die Fahrtrichtung mit seinem 15Kilo-Backpack Kurz- und Mittelstrecken meistert. Nur echt mit wahnwitzigen Spurwechseln, einer hochfrequentierten Fahrgastfluktuation, ohrenbetaeubenden Hupkonzerten, usw.

Gegen Vormittag erreichen wir schliesslich unserer gemuetliche Posada im gehobenen Stadtviertel Miraflores, wo wir fuer die naechsten drei Tage zusammen mit dem Neuseelaender Neil uebernachten. Wir geniessen die triebsame aber doch entspannte Atmosphaere Miraflores, erkunden Kolonialbauten und Kirchen in der Altstadt und wagen uns in etwas fragliche Stadtbezirke, in denen Autoteile recycelt werden oder Papierherstellung betrieben wird. Hier ereignete sich auch unser bislang einziger unschoener Zwischenfall, in der Naehe des Busterminals, von wo wir heute abend gen Huancayo aufbrechen werden. Nachdem wir einen geistig verwirrten Typen, der uns staendig die Haende schuetteln wollte und auf Michaels Tauchcomputer-Uhr scharf war, abgeschuettelt haben, gabeln uns zwei Halbstarke an einer Kreuzung auf und bitten zunaechst um Geld zum Essen. Als wir diesen Wunsch abschlagen, werden sie etwas ruppiger und halten (wen wohl?) mich fest, um mir an die Hosentaschen zu gehen. Offensichtlich haben sie sich in ihrer Phantasie ausgemalt, dass die viereckige Beule in meiner rechten Oberschenkeltasche (mit Reissverschluss) auf unendliche Reichtuemer hindeutet, aber dieser "Schatz" waere wohl fuer die zwei zu ideell gewesen, denn in der Tasche steckte lediglich mein kleines Pons-Woerterbuch. Naja, zur Vollstreckung kamen sie erst gar nicht, da mir zum einen Michael zur Seite gesprungen ist und zum anderen die nicht-kriminellen Limanesen eingriffen. Da wir mittlerweile mitten auf der Strasse rangelten, hielt ein weisser Jeep mit ordentlich Tempo einfach mal drauf und schuppste die Jungs "sanft" mit der Stossstange von mir fort. Diese Aktion hatte Wirkung, sodass die Jungs zusammen auf einem Fahrrad ohne Beute das Weite suchten. Der Rest des Limaaufenthalts verlief weitaus unspektakulaerer. Wir kloppen uns abends in den verschiedensten Restaurants 2-Gaengemenues fuer umgerechnet 4 Euro rein und zelebrieren Einkaeufe im Vivanda, einem 1st-class-Supermarkt, der Plus, Edeka und Co. alt aussehen laesst. So lange man kein Flensburger, Nutella oder Toblerone kauft, ist es auch schoen billig. Und wir haben uns im Museo de la Nación ein wenig ueber die juengste Geschichte Perus schlau gemacht. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht wusste, dass hier bis in die 90er Jahre noch Buergerkrieg herrschte, an denen eine teils politische teils terroristische Gruppe namens "Leuchtender Pfad" massgeblich beteiligt war.

Vor 3 Tagen sind wir schliesslich in das 3.100m hoch gelegene Andendoerfchen San Pedro de Casta aufgebrochen. Unsere bislang gefaehrlichste Busfahrt ueber holprige Schotterpisten an Bergketten entlang, ohne Grenzsteine oder Leitplanke, dafuer mit etlichen Kreuzen am Strassenrand war nur aus dem Grund psychisch meisterbar, weil es sau neblig war. Es ist naemlich grad Regenzeit in den Anden und das heisst, dass es ab mittags regnet und die Sicht unter 50 Meter sinkt. In dem Hostal, das uns Lonely Planet in San Pedro de Casta (etwa 750 Einwohner) empfiehlt, sind wir die einzigen Gaeste und werden wie lang verschollene Familienmitglieder behandelt. Man nimmt uns an die Hand und fuehrt uns abends um 8 noch 6 Haeuser weiterzu einer lieben Oma, die uns Reis, Spiegelei und Koka-Tee zubereitet. Ausserdem decken wir uns in ihrem "Supermarkt" mit Suessigkeiten, Wasser und Obst fuer die morgige Trekkingtour ein. Hostalvater Oscar besorgt uns ausserdem einen Guide (Omar), der uns morgens frueh um 6 Uhr zum Aufstieg nach Marcahuasi abholt. Die Betten sind zwar scheusslich und eine Heizung gibt es auch nicht, aber trotzdem fuehlen wir uns pudelwohl. Die reizende 4-jaehrige Mirella (Oscars Tochter) plappert staendig in spanisch auf uns ein, klaut mir Muetze und Woerterbuch, will staendig auf unseren Schultern sitzen, beschmeisst uns mit Kissen, isst mit uns Orangen (natuerlich nicht um uns lauthals vor den gefaehrlichen Pepas, den Kernen, zu warnen) putzt sich mit Svenjas Zahnbuerste anschliessend die Zaehne, ehe sie sich mit rund 100ml Sonnencreme und Aftersun-Lotion einschmiert.

Die Tour nach Marcahuasi war anstrengend aber schoen. Omar hat uns sogar fuer unsere Fitness gelobt, obgleich sich die Hoehe doch bei unseren Kreislaeufen und Svenjas Beinen (wir hatten zwischendurch schon Querschnittslaehmungs-Alarm, aber sie spuert ihre Beine inzwischen wieder) bemerkbar machte. Auf fast 4000m Hoehe bestaunen wir schliesslich, das Hochplateau, das von nahezu mystischen Felsformationen und alten Inkagraebern gesaeumt ist. Fuer die indigene Bevoelkerung ist dieser Platz kulturell uns spirituell angeblich von grosser Bedeutung, wir sind einfach froh, dass wir nach der koerperlichen Anstrengung noch irgendwelche Gestalten wie Gesichter und Tiere in den Felsen erkennen koennen. Da es uns froestelt machen wir bald den Abstieg zurueck ins Dorf, wo wir uns mit kalten Duschen und unseren Schlafsaecken wieder aufwaermen.

Heute sind wir morgens um 7 aufgebrochen, haben 3 Stunden Klippenfahrt absolviert, 2 Stunden Teerfahrt zurueck nach Lima ueberstanden und vertroedeln uns nun die Zeit zu unserer Nachtfahrt nach Huancayo. Wegen des Vorfalls werden wir vermutlich ein Taxi zum Busbahnhof nehmen. Laut Reisefuehrer hat Huancayo den Charme einer Stadt des Wilden Westens. Wie Ihr Euch denken koennt, werde ich dazu ausfuehrlichst berichten. :D

10.1.08 23:46

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