Bye bye, Venezuela!

¡Feliz Año!

Unser Aufenthalt in Venezuela neigt sich unweigerlich dem Ende entgegen. Hinter uns liegen 8 abwechslungsreiche Tage in den Anden beziehungsweise den Los Llanos. Aber beginnen wir von vorne:

Nach unserem Chillout auf der Isla Margarita im Karibischen Meer sind wir zurueck nach Caracas geflogen, wo wir dank eines ausgekluegelten Mobilitaetsplans mit Bus, Metro und Fusswegen heil und unversehrt am Terminal La Bandera, dem wohl hektischsten Busbahnhof Venezuelas, angekommen sind. Mit den Massen haben wir uns wie in Hitchcocks Vertigo die Treppen hochgeschoben. Unser Aufstieg in die 3  Etage des Gebauedes wurde akustisch mit einem Marktschrei-Gebruell untermalt, denn diverse "inoffizielle Busfahr-Gesellschaften", die wohl in Deutschland als Ich-AG durchgehen wuerden, versuchen uns zu utopischen Preisen in Ihre klapprigen Chevrolets aus den80ern zu lotsen um uns quer durch Venezuela zu kutschieren. Hierzu gesellte sich das hektische Treiben der Venozolaner, die ueber die Feiertage haenderingend nach Tickets feilschen und sich mal in ordentlichen Reihen, mal in chaotischen Trauben vor den kleinen Bueros der offiziellen Gesellschaften draengeln. Getreu dem Prinzip "Mehr Glueck als Verstand" ergattern wir noch fuer den gleichen Abend eine Nachtfahrt (12 Stunden) nach Mérida. Bei wohl temperierten 13 Grad erreichen wir die Universitaetsstadt in den Anden frischer als uns lieb ist (fuer die Rueckfahrt nach Caracas nehmen wir auf alle Faelle Schlafsaecke und Muetzen mit) In Mérida machen wir eine einfache aber gemuetliche Posada aus, die von einem Venezolaner gefuehrt wird, der mal mit einer Schweizerin verheiratet war. Da die Posada auch Touren anbietet,machen wir uns schon am 29. Dezember fuer 4 Tage auf die Socken nach Los Llanos, einer grossen, tierreichen Tiefebene sued-oestlich von Mérida. Mit dabei sind dieses Mal der Guide Joel inkl. belgischer Freundin Caroline, Sam und Jane, zwei britische Lehrer, die fuer 2 Jahre in Caracas reichen Venezolanern genug englisch zum Emigrieren beibringen, und schliesslich Oliver, ein 45-jaehriger Hannoveraner (kein Pferd!). Wir sind um Lagunen gewandert, Sam hat seinen Turnschuh im Sumpf versenkt, haben Kaimane und Anakondas aufgestoebert (letztere erfolglos), Wasserschweine gestreichelt, Pferdchen geritten, uns den HIntern auf Holzbrettern auf dem Jeepdach ruiniert, Boetchen gefahren, Piranhas gefischt (Svenja 1x, Michael 3x, Nils 2x) und spaeter auch teilweise gegessen, in Haengematten geschlafen, vor einem betrunkenen Ameisenbaer namens Carlita gefluechtet und natuerlich Sylvester gefeiert. Undzwar in einem gottverlassenen Camp im Nirgendwo. Die Einheizer-Band bestand aus einer Harfe, einer kleinen Gitarre und zwei Shakern . Dann wurden zwei haessliche Puppen, die das alte Jahr mitsamt seinen Suenden symbolisieren, verbrannt und es gab ein lautes aber unspektakulaeres Feuerwerk. Doch mit viel Bier und Cubra libre war es richtig lustig.

Wieder in Mérida, was bei der halsbrecherischen Jeepfahrt von 8 Stunden am Neujahrstag an ein Wunder grenzte, denn 2 Mal mussten wir bei leichtsinnigen Ueberholversuchen von Joel voll in die Eisen, um einen Frontalcrash zu vermeiden. Ich brauch ja nicht zu erwaehnen, dass es fuer uns keine Sicherheitsgurte gab. Nun ja, wieder in Mérida haben wir die Stadt erkundet und sind in der Heladeria Coromoto gewesen. Das ist eine Eisdiele, die dank ihrer ueber 300 Sorten Eis im Guiness-Buch der Rekorde steht. Schmecken tut das Eis dort nicht wirklich, und dass obwohl wir nicht so leckere Sorten wie Pulpa (Krake), Salmon (Lachs) oder Hamburguesa probiert haben. Ausserdem musste ich mich schon das 2te Mal in diesem Urlaub einer Mini-Operation unterziehen: Nach dem Zehennagel hat es dieses Mal meinen Hintern erwischt, wo sich eine venezolanische Zecke festgebissen hat. In einer erniedrigenden Prozedur, die ohne hier in schillernden Farben ins Detail gehen zu muessen, nachfuehlbar schmerzhaft gewesen ist, hat mir Schwester Svenja erst den Koerper und im 26. Versuch schliesslich auch den Zeckenkopf entfernt. Nun ja, noch lebe ich. Mal sehen was die naechsten Tage bringen, vielleicht ist Peru mir ja etwas freundlcher gesinnt...

Einige Bilder zu unserer Reise findet Ihr auf http://atlantis-diver.com/reise.htm einer Webpage von Michael

3 Kommentare 3.1.08 22:18, kommentieren

Feliz Navidad

¡Hola Amigos!

Wie Ihr hier lesen koennt, bin ich zwar umlautlos, aber alles in allem rundum gluecklich und gesund in einem Internet-Café auf der Isla Margarita in Venezuela.

In den ersten beiden Wochen unseres Trips, der ja am 10. Dezember in aller Herrgotts-Fruehe in Zuerich startete und hoffentlich die geplanten 2-einhalb Monate bis zum 26. Februar andauert, ist natuerlich schon eine Menge passiert. Unser Budget erlaubt es natuerlich nicht, alles in epischer Breite hier auszufuehren, aber einige "Highlights" will ich kurz anreissen, damit mir im Maerz keine Loecher in den Bauch gefragt werden:

Also die Fliegerei ueber Madrid nach Caracas, wo wir eine lauschige Nacht auf dem Steinfussboden verbracht haben, da es am ganzen Aeropuerto keinen einzigen Wartestuhl gibt, verlief ohne groessere Vorkommnisse. Naja, irgendwann gegen 3 Uhr morgens (das ist im uebrigen 5 einhalb Stunden vor MEZ, die halbe Stunde hat Praesident Chavez nach seinem gescheiterten Referendum kurzerhand eingefuehrt. Waere ja auch eine Zumutung dieselbe Zeit zu haben, wie Teile der USA) wurden wir kurz geweckt und gefragt, ob wir Geldwechseln wollten. Schwarz versteht sich, aber zu besseren Preisen (Das Thema Geld ist hier in Venezuela schon allein Kapitel fuellend, aber dazu ein andern Mal). Danach ging es per Flieger auf die Isla Margarita, mit dem Taxi nach Porlamar, mit dem hoffnungslos ueberladenden Bus, der staendig mit offener Tuer faehrt, auch ueber die Schnellstrasse, zum Hotel am Playa El Agua und dann erst mal Duschen, Essen, Schlafen. Tagsdarauf 2 von 3 Rucksaecken einlagern lassen und in ein anderes Hotel auf der Insel, wo wir unsere Reisegruppe fuer die gefuehrte 7-Tages-Tour durch den Osten Venezuelas treffen. Lars, ein Deutscher, der seit ueber 20 Jahren hier lebt ist unser Guide und fuehrt uns per Kleinflugzeug, Reisebuss, Jeeps, Motorboetchen, Faehren und natuerlich per pedes zu etlichen Wasserfaellen, Doerfern von Einheimischen, Tropfsteinhoehlen, Urwaeldern, dem Orinoko-Flussdelta, die Gran Sabana (hier wurde Jurassic-Parc 1 gedreht) und und und. Boeser Zwischenfall ereignete sich bereits am 3. Tag, wo ich im Kampf mit einem 150kilo-Tapir meinen Zehennagel am linken Dicken Onkel verloren habe. Zugegeben waren meine Begleiter (meine Schwester und ihr Freund) nicht ganz unschuldig bei dieser Aktion, denn ihre Panikartige Flucht vor dem Tapir verlief naemlich ueber meine Fuesse, sodass ich ganz ohne Tapirkontakt meinen Zehennagel einbuessen musste. Pancho (so heisst der zahme Tapir) trifft also nur bedingt eine Schuld. Zu den anderen Ereignissen erzaehle zu anderer Stunde. Nach unserer Rueckkehr ging es wieder in unser bekanntes Hotela auf der Isla Margarita, wo wir mal am Pool abhaengen, mal Johnnys Supermarkt stuermen, mal an den Strand gehen, mal durch die Schachbrettartigen Gassen Porlamars schlendern oder an abenteurlichen Buden, an denen deutsche Gesundheitsaemter einen Herzinfarkt bei Ansicht bekommen haetten, leckere Hamburgesas con todo mampfen. Abends schauen wir zu Lernzwecken englische Kamellen (zB. Two Birds on a Wire oder Killing Affaires oder Double Jeopardy) mit spanischem Untertitel. Morgen geht es dann weiter nach Mérida. Von da werde ich mich wieder melden.

Liebe Gruesse und Feliz Navidad

25.12.07 16:12, kommentieren