Wieder da!!

So, frisch und gesund geht es nun mit "üs" und ßs" zum vorerst (man muss sich immer das Hintertürchen für eine mögliche Fortsetzung offen halten) letzten Beitrag aus unserem Südamerika-Trip:

Natürlich hat unsere Abreise nicht wirklich so problemlos gefluppt, wie ich das optimistischer Weise bereits im letzten Thread angekuendigt hatte. Denn was wir bei all unseren Planungen nicht mit einkalkuliert hatten war der Busfahrerstreik der Busgesellschaften in Cochabamba. Diese hatten sich am Nachmittag vor unserer Nachtfahrt scheinbar überlegt die einzige Straße zwischen unserem aktuellen Aufenthaltsort und La Paz voll zu sperren und zwar auf unbestimmte Zeit! Ihr könnt Euch unsere ausgeklappten Unterkiefer vorstellen, als wir nachts um 22 Uhr am Busbahnhof angetrabt und von dieser Aktion in Kenntnis gesetzt worden sind. Aber wie immer hilft es ja nicht, sich groß aufzuregen und wir traben zurück in unser Hostal. Der Opa der Herberge hat in unserer Abwesenheit die Preise angezogen und will für das Zimmer, das wir wohl gemerkt erst um 22.30 Uhr beziehen möchten, plötzlich 100 Bolivianos haben (also eine Preissteigerung um 25%) - wir lehnen dankend ab und naechtigen nebenan für nur 75 Bolivianos (sogar noch 5 Bs gespart), schließlich brechen wir morgens um 6 Uhr wieder zum Busbahnhof auf, um nach dem aktuellen Stand der Dinge zu fragen. Jener ist aber unverändert und zwingt uns langsam zum Handeln, wenn wir nicht unsere Flüge nach Deutschland verpassen wollen. Etliche Taxifahrten, Cafébesuche und Gänge zur Tourist-Info später lösen wir die letzten drei Tickets für einen Flug nach La Paz am Sonntagabend mit TAM (Transporte Aero Militar). So schlugen wir immerhin gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen war der Transfer nach La Paz gesichert, selbst wenn sich die streikenden Busfahrer überlegen ihre Blockade bis zum Sanktnimmerleinstag fortzusetzen. Und zum anderen brauchten wir uns auch keine Gedanken mehr darüber zu machen, wie wir in La Paz zum Flughafen kommen.

Gesagt getan, am Sonntag um 18 Uhr hebt die Militärmaschine mit uns gen La Paz an, wo wir uns auf unsere mittlerweile 4. Übernachtung auf einem Flughafen einstellten. Die Nacht im Aeropuerto La Paz reiht sich im inoffiziellen "Gute-Nacht-Ranking" hinter den Flughäfen Zürich und Lima ein, aber belegt noch mit Abstand einen Platz vor Caracas. Zur Begründung: Positiv in die Bewertung flossen sowohl der Burgerking-Stand als auch ein zwar teures, aber funktionierendes Internet-Café im öffentlichen Bereich des Flughafens mit ein. Auch der harte, saubere Steinfliesenboden bot im hinteren Bereich eine geeignete Rückzugsmöglichkeit, um im Schlafsack eingewickelt, mit dem Kopf auf dem Rucksack die Augen für ein paar Stündchen zu schließen. Allerdings tauchten nach den obligatorisch nachtaktiven Putzfrauen auch noch zwei Polizisten mitten in der Nacht (es muss so gegen 3 Uhr gewesen sein) auf, die immer was von plata in den mochilas faselten, was wir aber schlaftrunken nicht auf Anhieb verstanden, bis uns aufging, dass sie von Silber (sprich: Geld) in den Rucksäcken sprachen. Wir versicherten Ihnen, dass wir keine Geldbündel in den Rucksäcken deponiert hätten und genossen die letzten paar Stunden Schlaf bis 6.30 Uhr. Denn zu dieser Zeit öffnete das Café, vor dem wir lagen, und es wurde ein wenig hektisch. Mit einem angemessenen Frühstück im Bauch verlassen wir schliesslich La Paz und fliegen nach Santiago de Chile. Aus was für einem Grund auch immer, ist es für Flugzeuge aus Bolivien nach Chile wohl Gang und Gäbe in Iquique zwischenzulanden, um dort die Einreiseformalitäten zu erledigen. Es dauert also keine Stunde und auch wir befinden uns mitten in der Wüste auf einem Flughafen, wo wir uns ein paar Stempel in den Reisepass knallen lassen.  Da Chile, allen voran die Abgesandten der staatlichen Agrarbehörde, riesige Panik vor eingeschleppten Seuchen à la BSE und Kartoffelkäfer hat, ist es strikt verboten landwirtschaftliche Produkte sei es tierischer oder pflanzliche Art ins Land einzuführen. Neben einer eidesstattlichen Erklärung, die man schon im Flugzeug ausfüllen musste, wird auch das Gepäck mit Argus-Augen gefilzt. Naja, eigentlich eher mit Argus-Händen, denn nach einem uns unbekannten System stehen plötzlich nach dem Passieren des Immigrationshäuschen einige Gepäckstücke in der Halle, die von den jeweiligen Besitzern geöffnet werden müssen, damit die Zollbeamten/Agraramt-Heinis darin rumwühlen können. Komischer Weise gibt es kein Röntgengerät für die Koffer. Unser Gepäck ist glücklicherweise nicht dabei, sodass bei uns lediglich das Handgepäck unter die Lupe genommen wird. Wir hoffen inständig, dass sich die Rucksäcke noch im Flieger befinden, den wir ein Stündchen später wieder besteigen, um den Flug nach Santiago fortzusetzen. In der Tat können wir unsere Rucksäcke wenig später wieder in der chilenischen Hauptstadt wieder in Empfang nehmen. Des Wartens und Fliegens bereits ein wenig überdrüssig stellen wir uns auf einen fast 20-stündigen Aufenthalt am Flughafen in Santiago ein, den wir mit Mensch-Ärger-Dich-Spielen (Ein Mitbringsel für einen Freund von Michael), Dunkin' Donuts Besuchen und natürlich Schlafen verkürzen. Letzteres klappte abgesehen von insgesamt 3 Kloputzaktionen in der Nacht auch recht gut, denn wir haben uns dieses Mal in den Bürobereich des Flughafens gelegt, der sogar mit Teppich ausgelegt ist und wo ansonsten keine Touris rumschlendern. Die verbliebenen Stunden vor Abflug zogen sich wie Kaugummi und auch im Flugzeug selbst will die Zeit nicht richtig vergehen, dabei saßen wir sogar noch zwischen der Partyfraktion im Flieger, eine bestimmt 15-köpfige Reisegruppe aus spanischen Rentnern, die sich über dieses und jenes amüsierten. Dreizehn Stunden und viel Wasser in den Füßen später betreten wir nach fast 3 Monaten erstmals wieder europäischen Boden und zwar den von Madrid. Die Cola aus dem Automaten kostet endlich wieder das 8fache von dem Preis, den wir in Bolivien gezahlt haben und auf den Klos gibt es nicht nur Klopapier - nein, man darf es sogar auch wieder in die Schüssel zum Runterspülen schmeißen. Wir bleiben im Transitbereich und fliegen weiter nach Zürich, unserer vorletzten Station unseres Projekts "Heimflug". Mit zusammengebissenen Zähnen, einem Fokus und 'ner Cola sitze ich die letzten 5 Stunden bis zum GermanWings Flug nach Köln am Abend ab. Zwischenzeitlich bringen Svenja und Michael ihre Rucksäcke schon mal mit dem Privattaxi (Der Fahrer, ein Kumpel von Michael, heisst auch Michael) nach Biel, ziehen sich um und kehren rechtzeitig wieder an den Flughafen zurück. Ein letztes Mal lassen wir die Sicherheitshinweise der Stewardess über uns ergehen, stellen unsere Rückenlehnen senkrecht, die Mobilfunkgeräte aus und das Rauchen ein, klappen das Tischchen hoch, legen den Sicherheitsgurt an und halten die Rettungswege frei. Ganz ungewohnt für uns, hebt der Flieger pünktlich um 17.50 Uhr in Zürich ab und landet ebenso pünktlich um 18.30 in Köln/Bonn, wo uns meine Eltern auch schon erwarten. Nach einer kurzen Konfusion, wo denn der Wagen jetzt geparkt ist, meistern wir auch diese Komplikation und sind endlich wieder zuhause.

Und was war wohl unsere erste Mahlzeit im Good Od Germany? Natürlich eine ordentliche Portion Sauerkraut mit Kassler und Kartoffeln - dazu ein kühles nach dem Reinheitsgebot gebrautes Bier.

Lecker!

1 Kommentar 28.2.08 20:56, kommentieren

...und der Himmel verfinsterte sich

Das klingt nun duesterer als es vielleicht war, aber in der Tat durften wir diese Nacht einer "Eclipse total de la luna" - einer totalen Mondfinsternis - hier in Bolivien beiwohnen. Es scheint so, als ob selbst die Sterne nicht wollen, das wir diesen faszinierenden Suedamerikatrip beenden, oder aber die Mondfinsternis muss als Omen (gutes oder schlechtes) fuer Micheals heutigen Geburtstag gewertet werden (Gratulanten haben ab jetzt noch knappe 11 Stunden Zeit zu reagieren). Doch verfahren wir in gewohnter Weise und rekapitulieren die Ereignisse der letzten Woche in chronoligischer Reihenfolge:

Der zweite Tag in La Paz gestaltete sich schon weitaus freundlicher, obwohl sich meine Fuesse definitiv nach einer Alternative zu stundenlangen Erkundungsmaerschen auf holprig gepflasterten Buergersteigen in Trekkingsandalen bzw. Wanderschuhen sehnen. Mittlerweile haben sich richtig fiese Hornhaeute unter den Sohlen gebildet, die in strassenschmutz-grau schimmern und hin und wieder an den Fersen Risse bekommen, die wiederum beim Auftreten schmerzen. Doch da die Bereitschaft meiner Mitreisenden, mich auf Haenden zu tragen, gleich null ist und ich auch nicht staendig auf Zehenspitzen durch die Citz tuppeln will, muss ich wohl oder uebel tapfer bleiben und mich mit dem Gedanken an einen Termin beim Podologen anfreunden.

Wie ueblich starteten wir unseren Tag mit einer Stippvisite im Café, um einen ordentlichen Kaffee abzustauben. Guten Kaffee aufzutreiben ist in Bolivien wieder deutlich einfacher als in Peru. Unsere diesmalige Wahl faellt auf ein etwas rauchiges, stilechtes Altherrencafé mit Zeitungen am Stock. Es dauert auch nicht lang und die Tische fuellen sich Klischee maessig mit betagten Bolivianern spanischer Abstammung, die ihr Kaeffchen ebenso Klischee maessig mit Zigaretten und Zigarren runterspuelen. Svenja ist unter den mittlerweile 30 Gaesten die einzige Frau und wir Drei liegen locker 50 Jahre unter dem Altersdurchschnitt. Bei unserem Stadtrundgang machen wir einen Abstecher ins "Reichenviertel", wo auch die Botschaften, Hotels, Edel-Restaurants und das Goethe-Institut sind. Das alles laesst uns verstaendlicher Weise kalt, aber als wir seit langem mal wieder einen westlich-angehauchten Supermarkt erblicken, koennen wir nicht widerstehen. Svenja und Michael, die vermutlich unter einem Waschzwang leiden, haben naemlich schon ihre 2. Flasche Duschgel aufgebraucht und deshalb brauchen sie dringend ein Stueck Seife (Duschgel gibts hier in Bolivien nicht). Als wir aus dem Supermarkt rausstolpern treffen wir doch tatsaechlich Diesterhoefts zum dritten Mal in diesem Urlaub.

Habe ich eigentlich schon von Ulf und Dorle Diesterhoeft berichtet? Dem Schweigen zu urteilen, eher nicht. Also will ich an dieser Stelle kurz abschweifen und von den freundlichen Diesterhoefts erzaehlen: Das erste Mal begegneteten dem deutschen Ehepaar auf der Bootsfahrt nach Taquile (Insel im Titicacasee). Die jetzigen Wahl-Schwaben, die aber auch lange Zeit in Venezuela gelebt haben, machen grade eine Tour durch Venezuela, Ecuador, Peru, Bolivien und Argentinien. Obwohl die zwei weissgott keinen Luxusurlaub machen, belaecheln sie uns ein ums andere Mal fuer unseren rigiden Sparkurs. Ulf ist frueher uebrigens in Iserlohn zu einer weiterfuehrenden Schule (er ist Ingineur gewesen) gegangen, wo jetzt im Maerz auch wieder das alljaehrliche Nachtreffen der Absolventen stattfindet. Das zweite Mal treffen wir die Zwei in Copacabana in Bolivien statt, wo sie uns beim Eisessen erwischen und uns mahnen, dass Eis unmoeglich in unserem Budget-Plan liegen kann, stattdessen geben sie uns den Trucha-Tipp (Forelle), der preiswert und lecker zugleich ist. Und das dritte Mal treffen wir Diesterhoefts ausgerechnet in Boliviens groesster Stadt mitten auf der Strasse. Zufaelle gibts, oder Trueman-Show laesst gruessen.

Spaeter stielen wir unseren Trip nach Cochabamba am Busbahnhof ein, kopieren ein paar Seiten aus dem LonelyPlanet Bolivien, den wir uns am Vortag ausgeliehen haben und vertroedeln den Tag im Hostal, ehe wir ploetzlich umringt von Deutschen sind (keine Sorge, Diesterhoefts sind dieses Mal nicht dabei). Aber Silke und Rike, die wir in Arequipa und spaeter auch nochmal auf Taquile getroffen haben, sind wieder mit von der Partie. Ausserdem Julia und Sylvia, von denen wir den LonelyPlanet ausgeliehen haben und David, ein alleinreisender Politologie-Absolvent und ambitionierter Hobby-Fotograf aus Berlin, der sich seinen Rucksack inklusive saemtlicher Bilder in Cusco (Peru) hat klauen lassen. Von ihm erfahren wir auch bei einem geselligen Abendessen in der Chifa (China-Imbiss), dass sich der versierte Backpacker auf keinen Fall den Salar de Uyuni (Salzsee) im Sueden Boliviens entgehen lassen darf. Eigentlich wollten wir es ja angesichts der starken Ueberschwemmungen in weiten Teilen des Landes eher ruhig angehen lassen, aber wir verwerfen den Gedanken nicht sofort und treten unsere 7-Stunden-Fahrt nach Cochabamba am naechsten Morgen an.

Waehrend Svenja und Michael es sich auf ihrem Doppelsitz gemuetlich gehen lassen, erwartet mich bei solchen Bussfahrten immer mal wieder eine angenehme oder unangenehmere Ueberraschung, je nachdem was fuer einen Sitznachbarn ich erwische. Dieses Mal ist es Opa, der sich nicht so sehr fuer den Bud Spencer & Terrence Hill Film im Bus interessiert, sondern lieber mit mir, dem Hijo de los Nazis, ueber den ausbleibenden Fortschritt Boliviens diskutiert. Opa fuehrt die stagnierende Entwicklung seines Heimatlandes, das zwar drei Mal so gross ist wie Deutschland, aber nur ein Zehntel der Einwohner aufweist, auf die mangelnde Arbeitswilligkeit seiner Landsleute zurueck. Er hofft, wie auch schon in den 40ern und 50ern, auf auslaendische Impulse, die den Bolivianern mal zeigen, wie es laufen soll. Ich bemuehe mich moeglichst viel zu verstehen und Verstaendnis aufzuweisen. Gross was zu sagen, ist auch nicht weiter noetig, denn Opa ist richtig in Fahrt.

In Cochabamba, Boliviens Kornkammer auf 2500m ueber dem Meer, ist es sonnig und angenehm warm. Der Verkehr ist trotz annaehernd 500.000 Einwohnern nicht ganz so stark wie in La Paz und wir machen nach angestrengtem Suchen auch zwei nette franzoesische Cafés aus, die wohl demselben Besitzer gehoeren. Denn auf den identischen Speisekarten, die eigentlich in gutem Franzoesisch geschrieben sind, gibt es einen Café au Latí, was den Geschmack aber nicht truebt. Auch der Gateau du Jour, der zwar taeglich derselbe Apfeltarte mit Vanille-Eis ist, mundet vorzueglich. Kulinarisch lassen wir es uns also mal wieder gutgehen und auch unser Drei-Sterne-Hostal mit blumigem Innenhof und Schachbrett-Tischen ist ein bezahlbarer Traum (wir zahlen zusammen 8 Euro die Nacht mit baño compartido). Aber ich wuerde hier nicht ueber unseren Suedamerikatrip berichten, wenn alles so Friede-Freude-Eierkuchen waere. Zwei Dinge belasteten unser Gemuet: Zum einen will uns keiner der Geldautomaten hier in Bolivien mit den VISA-Karten Geld ausspucken. Zum anderen steigern sich Svenjas Magenprobleme, die sie ja schon latent seit 3 Wochen mit sich rumschleppt, ins Unertraegliche, sodass sie bettlaegerig wird. Dank Antibiotika-Therapie laesst sich letzteres innerhalb eines Tages wieder halbwegs in den Griff kriegen. Bezueglich unseres sich zuspitzenden Finanzproblems, weiss unsere Hausbank Wirecard lediglich mitzuteilen, dass die Karten in Ordnung seien und wir doch bitte auf das VISA-Zeichen am Automaten achten sollen. Tze, tze...denen habe ich entsprechend geantwortet. :D Naja, wir inzwischen sind wir bei Bank 6 fuendig geworden und auf einen Automaten gestossen, der wohl neu genug ist, um mit den "silbernen Magnetstreifen" zurecht zu kommen.

Indessen nimmt unser Ausflug zum Salar de Uyuni immer mehr Form an: Wenn wir um 6 Uhr morgens einen Bus nach Oruro nehmen wuerden, dann kaemen wir dort gegen 10 Uhr morgens an und haetten noch rund 5 Stunden, um uns fuer ein begehrtes Zugticket nach Uyuni zu kuemmern, die man allerdings schon Stunden vor der Abfahrt ergattern muss. Sollte dies gelingen, koennten wir einen kurzen Mittagssnack in Oruro einnehmen uns mit Proviant fuer die Reise eindecken und dann die restlichen 7 Stunden im Zug nach Uyuni zuckeln. Alternativ muessten wir bei Scheitern der Zugvariante auf einen Bus umsatteln, der 8 Stunden benoetigt.  So oder so kaemen wir nicht vor 23 Uhr abends in Uyuni an, wo wir dann noch eine Unterkunft braeuchten. Gesagt getan. Wir nehmen den Fruehbus nach Oruro, werden dank des militaerisch gekleideten Sicherheitsbeamten am proppevollen Bahnhof bevorzugt behandelt und ergattern ein erschwingliches Ticket nach Uyuni. Mit nicht all zu viel Verspaetung erreichen wir gegen 23 Uhr auch tatsaechlich das 12.000 Seelen Staedchen, aber ausserplanmaessig liegt das Kaff in voelliger Dunkelheit. Aus irgendwelchen Gruenden ist das komplette Dorf seit 18 Uhr ohne Strom, sodass wir im Stockfinstern (der Mond ist keine wirkliche Hilfe) nach einer Bleibe fuer die Nacht suchen. Wir nehmen die erstbeste Butze, die immerhin Kerzen hat und erholen uns von den Reisestrapazen. Am naechsten Tag kuemmern wir uns um eine Reiseagentour, bei der die Wahl auf Marias RedPlanetExpedition faellt und versuchen fuer unsere angeschlagenen Maegen etwas Essbares aufindig zu machen. Nebenbei bekommt Svenja langsam den Reisekoller und wird ungeschmeidig. :D

Das legt sich aber am Folgetag, an dem wir mit Guid Raul, zwei Deutschen und zwei Chilenen zum Salzsee aufbrechen. Vorab geht es zum Eisenbahn-Friedhof, wo rostige Gueterwagons samt Loks aus dem 19. Jahrhundert vor sich hinrosten, die allerlei Bodenschaetze (Salz, Silber, Zinn) aus der Umbgebung herumgefahren haben. So huebsch wie in Hermeskeiler Zugmuseum sind die natuerlich nicht mehr, aber stellen fuer die Bolivianer trotzdem eine Attraktion dar. Danach geht es ins Mini-Kaff Colchani direkt am Salzsee, wo wir in die Salzverarbeitung eingeweiht werden und zahlreichen Tant aus Salz zum Verkauf angepriesen bekommen. Wir halten unsere Bolivianischen Pesos zusammen und fahren endlich in den Salzsee, der wegen der Regenzeit mal knie- und mal knoecheltief unter Wasser steht. Fuer Raul und seinen Jeep natuerlich kein Problem, sodass wir durch diese bizarre Landschaft fahren und mal wieder richtig tief durchatmen koennen. Ab und an erinnern die Salzuntiefen im kristallklaren See an schwimmende Schollen im Arktischen Meer, aber dafuer ist es definitiv zu heiss. Neben einem Salzhotel, das wie der Name schon sagt, komplett aus Salz gebaut ist, nehmen wir unser Mittagessen ein und fahren auf dem Rueckweg noch bei irgendwelchen gruseligen Mumien vorbei, deren Alter, Herkunft, Todesursache, etc. nicht erforscht ist. Sicher ist nur, dass die Kinder in noch nicht all zu ferner Vergangenheit damit rumgespielt haben und dass sich die Bolivianer so allmaehlich ueberlegt haben, dass man die Mumien auch touristisch nutzen koennte, sodass sie alle gefundenen Mumien in eine Hoehle zusammengetragen, den Eingang mit einer Schilfrohrtuer versehen haben, die wiederum mit einem Vorhaengeschloss gesichert ist. Naja.

Fuer die Rueckfahrt nach Cochabamba stand uns der Zug, der nur alle Jubeljahre faehrt, leider nicht zur Verfuegung. Wir muessen also den schammeligen Bus fuer eine Nachtfahrt nehmen, was an sich noch nicht all zu uebel klingt, aber definitiv unsere schlimmste Busfahrt des ganzen Urlaubs war. Um 20 Uhr ging es los, uns war klar, dass die Fahrt holprig wird, da die Strecke nicht asphaltiert ist, aber das die gesamten 8 Stunden die Deckenklappe dermassen rappelt, dass pfundweise Strassenstaub ins Businnere dringt, damit hatten wir nicht gerechnet. Ohne Atemmaske ist also der Krupphusten mitsamt verdreckter Nase vorprogrammiert. Schlaf war einfach ein Ding der Unmoeglichkeit, wollte man keine Zentimeter dicke Staubschicht auf der Zunge riskieren, da man ja unmoeglich verhindern konnte mit offenem Mund zu schlafen. Die Augen brannten, die Gepackablagen ueber unseren Koepfen wippten und vibrierten in einer Lautstaerke, die einen Presslufthammer zur Ohrenschmeichelei werden liessen und die Temperatur sank gegen Mitternacht auf fast einstellige Grade. Voellig ausgezehrt steigen wir morgens um halb 5 in Oruro in den zweiten Bus nach Cochabamba und sind so erschoepft, dass wir dem Vertreter der alsbald zusteigt und gegen alle Universal-Wehwehchen einen dubioses Ginseng-Extrakt vertickt, fast noch was abgekauft haetten. Die folgenden drei Tage in Cochabamba sind wir aber wieder vollstaendig genesen, obwohl Michael sich irgendwie so etwas wie eine Lebensmittelvergiftung inklusive Fieber, Kotzereie, Durchfall und Bauchkraempfe eingefangen hat. Aber seit zwei Tagen kann auch er wieder Essen fassen.

Gestern haben wir uns mit ein paar Souvenirs vom Kunstmarkt eingedeckt. Svenja hat eine Haengematte erstanden und ich habe bei zwei Tagesdecken zugeschlagen. Waehrend ich hier schreibe (mittlerweile sind fast zwei Stunden vergangen) vergeht unser letzter Tag in Cochabamba. Um 23 Uhr verlassen wir mit dem Nachtbus die Stadt und brechen zu unserer letzten Station La Paz auf. Angeblich wartet dort auf uns im Hostal, wo wir vor einer Woche schon residierten, auch ein reserviertes Zimmer. Mal sehen, ob das geklappt hat.

So jetzt noch flott den Text in den Zwischenspeicher kloppen, bevor ich auf den "Bloggen"-Knopf druecke.....

1 Kommentar 21.2.08 19:28, kommentieren

Hasta luego, Peru...

Kommen wir nun zur letzten Etappe unserer Perureise, die ich vor wenigen Minuten bereits komplett verfasst habe, aber wegen des Auslaufens der Sitzung nicht bloggen und damit speichern konnte. Wundert Euch also nicht, wenn ich mich kurz fasse, aber mein Grips reicht leider nicht aus, um den gesamten Tag zu rekonstruieren und es wird spaeter und spaeter und ich habe ordentlich Wut in der Backe. Tja, so spielt das Leben, nuetzt nix hier sind die letzten sieben Tage im Schnellueberblick:

Von Arequipa ging es ja nach Puno an den Titicacasee. Puno bezeichnet sich selbst, als Hochburg der Folklore und des Karnevals, sodass wir spontan den Beschluss fassen, ebensolche Hochburg schnellstmoeglich wieder zu verlassen, ehe die Festivitaeten am Sonntag und Montag ihren Hoehepunkt erreichen. Irgendwie fragen wir uns, warum es hier verdammt noch mal keinen Aschermittwoch gibt. Naja, wir verplanen die uns verbleibende Zeit einfach mit den touristischen Highlights der Region, die in einer Besichtigung Sillustanis (das sind Grabtuerme aus der Zeit der Inka und sogar noch davor) sowie einer Zweitagestour auf die bewohnten Schwimmenden Inseln und die "feste" Insel Taquile, wo die Maenner noch ihre eigenen Muetzen stricken. An diesen Zipfelmuetzen erkennt man nicht nur den Familienstand der Traeger (rot = verheiratet; weiss-rot = Single) sondern auch den Gemuetszustand (Zipfel nach rechts = gluecklich; Zipfel nach links = muerrisch). Unseren Beobachtungen zufolge sind die meisten Maenner auf Taquile paradoxer Weise verheiratet und gluecklich - komisch. Als wir auf Taquile anlegen, erwartet uns zunaechst ein anderhalb Kilometer langer Aufstieg zum Plaza Mayor, wo uns eine Gastfamilie zugewiesen wird, die uns ein Nachtlager bieten soll. Als Gastgeschenk bringen wir eine Tasche voll frisches Obst und Gemuese aus Puno mit, da laut Reisefuehrer eben jenes knapp sei. Im Gegenzug duerfen wir ein 8qm grosses Zimmer beziehen, in dem sich zwei wackelige Betten in L-Form auf dem kargen Lehmboden befinden. Orlando befoerdert kurzerhand noch die Rucksaecke und Kleidungsstuecker der Touris, die wohl die Nacht davor hier verbracht haben, aus unserem neuen Quartier, sodass der Zimmerservice recht fluechtig ausfaellt. Wir kommentieren die schammeligen Decken, auf denen sich leicht muffiges Konfetti zu hungrigem Ungeziefer gesellt nicht weiter und schlagen ein Angebot fuer ein Abendessen nach Besichtigung der Sanitaeranlagen aus. Denn warmes oder gar fliessendes Wasser ist Mangelwahre, stattdessen faellt unser Blick auf einen Wassereimer, der neben dem Plumsklo steht, und der simultan als Klospuelung, Geschirrreinigung und zum Haendewaschen fungiert. Mit eingefrorenem Laecheln begeben wir uns auf Inselerkundung, die uns wieder etwas zuversichtlicher stimmt. Wir entdecken naemlich nicht nur ein nettes, kleines familiengefuehrtes Restaurant, wo man vorzueglich gebratene Forelle verspeisen kann, sondern auch die Insel an sich ist landschaftlich aeusserst reizvoll. Terassenartige Felder, auf denen Mais, Kartoffeln und Coca angebaut wird wechseln sich mit Eukalyptosbaeumen (fragt mich nicht, wie die nach Peru kommen) ab. Die rund 24 Stunden auf der Insel verfliegen mit Umherwandern, Kartenspielen und Sonnegeniessen.

Zurueck in Puno verprassen wir unser restliches peruanisches Geld und schlemmen im Ukuku's ein hervorragendes Alpaca-Geschnetzeltes mit geduenstetem Gemuese in Sahnesauce mit frisch gekochtem Apfelkompott. Mit nur 7 Soles (entspricht nicht ganz 2 Euro) in der Tasche brechen wir am naechsten Morgen zum Busbahnhof auf, wo wir gleich 3 Soles Abfahrtsteuer fuer unsere Fahrt nach Bolivien blechen. Kurz vor der Grenze haelt der Reisebus, damit wir das restliche Geld zu einem miserablen Kurs in bolivianische Bolivianos tauschen koennen. Die eigentliche Grenzueberquerung muessen wir dann zu Fuss bewaeltigen. In einer Horde aus Japanern, Amis, Einheimischen und einer Handvoll Oesis marschieren wir durch insgesamt drei Oficinas, um uns mit reichlich Stempeln einzudecken. Schliesslich haben wir Peru endgueltig den Ruecken gekehrt und fahren das letzte Stueck wieder mit dem Bus nach Copacabana (einem Touristaedchen, nach dem auch der beruehmtere Strand in Rio benannt ist). Das bolivianische Copacabana am Titicacasee hat nicht wirklich viel zu bieten, sodass uns hier nichts laenger halt als 2 Tage. Denn neben noch mehr leckerer Forelle und ausgesprochen gutem Wetter, existiert hier nichts Bleibenswertes - im Gegenteil: Auch hier wuetet der Karneval.

So begibt es sich, dass wir schon 2 Wochen vor Rueckreise in La Paz sind. Die inoffizielle Hauptstadt Boliviens (denn Sucre hat den offiziellen Titel inne, wenngleich die Regierung in La Paz sitzt - Niederlande laesst gruessen) kann bisher nicht gross punkten. Denn im Gegensatz zu den peruanischen Staedten, die wir besucht haben, wird hier in La Paz nicht sehr viel wert auf inner-staedtische Naherholung gelegt. Begruente Plaetze, Parks oder ruhige Fussgaengerzonen sucht man hier vergebens, stattdessen trifft man auf laermenden und stinkenden Verkehr, heruntergekommene Bauten und schaebige Maerkte. Aber wir geben der Stadt morgen einen zweiten Versuch. :D

Allmaehlich setzt aber auch schon der Wehmut ein, da sich unser Abenteuer Suedamerika langsam dem Ende entgegenneigt. Schon bald bin ich ein hundsgewoehnlicher Arbeitsloser in Deutschland, dessen Tagesaufregung im deprimierenden Gang zum Briefkasten besteht, wo er seine Bewerbungsabsagen herausfischt. Aber Zeit zum Truebsalblasen bleibt noch genug... Jetzt gilt es erst mal die letzten zwei Wochen mit weiteren erinnerungswuerdigen Momenten zu fuellen, damit ich mich spaeter an die "gute alte Zeit in Suedamerika" erinnern kann.

 

1 Kommentar 12.2.08 02:02, kommentieren

Helau!

¡Hola Ihr Jecken!

Ja, auch in Peru wird Karneval wie gestoert gefeiert. Gut, es gibt weniger "maskierte Huren" und besoffene Clowns, aber im Grunde bestehen die Festivitaeten hier auch aus reichlich Umzuegen, Feuerwerk (getreu dem Motto: besser laut als bunt), Musik und vor allem "jeckem Verhalten". Denn schon seit Wochen ist es hier ueblich, ahnungslose Passanten, die gerne auch Touristen sein duerfen, mit Wasserbomben oder ganzen Wassereimer-Ladungen zu begluecken. Und wenn das grad nicht zur Hand, greift man auf Partyschaum aus der Spraydose zurueck. Dessen Wirkung entfaltet sich allerdings erst so richtig, wenn man es zielgenau aus dem Beifahrer-Fenster des vorbeirauschenden Taxis einsetzt. Da wir sowohl Wasser wie Schaum meiden moechten, hetzen wir derart nervoes umblickend durch die engen Gassen Arequipas, dass jede hinter dem Ruecken gehaltene Hand fuer uns das untruegliche Zeichen zum Strassenseitenwechsel darstellt. So aehnlich muss man sich als Weisser nachts in den Bronx fuehlen, nur dass man da eher Messer und Revolver unter dem Pullover vermutet...

Diesem lustigen Treiben entkommt man selbst in den abgelegensten Doerfern nicht. Denn nach unserer Nachtfahrt von Cusco nach Arequipa, haben wir nach kurzem Aufenthalt eine 3 Tages-Tour zum Canyon de Colca (dem 2.-tiefsten Canyon der Welt, der tiefste liegt nur wenige Kilometer entfernt ebenfalls in Peru) eingeplant. Natuerlich hiess das erneut: Kurze Naechte und lange Fahrten, aber das sitzen wir mittlerweile auf einer Backe ab. Erster Stop war am Auslaeufer des Canyons in Chivay, einem trostlosen und staubigen Doerfchen mit 5000 Einwohnern, von denen mal mindestens 5 eine Hospedaje angeboten haben und 10 weitere einen kleinen Minimarkt (meist fensterlos) mit den notwendigsten Lebensmitteln fuehren. Unser Hunger treibt uns in eine Garage, in der 3 Tische mit Tischdecken und Serviettenhalter stehen. Auf Anfrage wird uns versichert, dass hinter dem Holzverschlag mit Durchreiche tatsaechlich Menues zubereitet werden und zwar nur fuer 4 Soles. Auf dem Menueplan stehen irgendwas vom Alpaka (kennt Ihr ja schon von den Pullovern, aber diese Lama-Art kann man auch gut verspeisen) und zu Vorspeise eine Suppe, deren Namen wir mit Cebolla-Sopa, also Zwiebelsuppe uebersetzen. Tja, aber da sollten uns unsere Castellano-Kenntnisse noch ordentlich hinters Licht fuehren. Denn tatsaechlich gab es Sémolla-Sopa, was nichts anderes ist als Griess-Suppe und vom Alpaka gab es sehr zum Leidwesen von Michael Leber. Svenja und mir hat es trotzdem gemundet. :D Hatte schon lange keine Leber mehr.

Am Busbahnhof bei der Ankunft wollte uns so ein Heini auch gleich ein "Boleto Turistico" fuer 35 Soles aufdruecken, mit dem wir angeblich Zugang zu allen Sehenswuerdigkeiten im Canyon haetten. Die Seriositaet dieses Tickets stand fuer uns allerdings im Zweifel, denn waehrend der dt. Reisefuehrer einen Nationalpark-Eintritt erwaehnt, bezeichnet der Lonely Planet die Gebuehr fuer fragwuerdig, sodass wir trotz Androhung von Gefaengnis erst mal dankend ablehnen. Am naechsten Morgen ist der Typ wohl noch im Bettchen, als wir um 4 Uhr gen Cabanaconde aufbrechen, dem Doerfchen, von wo unsere Trekkingtour in den Canyon ohne Fuehrer und nur mit stilisierter Karte auf einem DinA6 Zettel beginnt. Leider lungert auch hier ein Boleto-Verkaeufer herum, der uns kurz nach dem Aussteigen abfaengt und uns mit bestimmt guten Argumenten das ueberteuerte Ticket aufzwingen will. Wir bleiben aber standhaft und vertroesten ihn mit "mas tarde" (spaeter) fuer den Moment. In der tiefsten Nebelsuppe eiern wir morgens um 6.30 Uhr durch die verlassenen Gassen, kippen einen Mate-Tee hinunter und kaufen uns 6 kleine Broetchen fuer 1 Sol, ehe wir uns auf die Suche nach dem Weg begeben. Rund eine Stunde irren wir zwischen Mauleselpfaden und landwirtschaftlichen Nutzwegen herum, ehe uns zwei Schaeferinnen (vielleicht 13 und 9 Jahre alt) in den terassenartigen Maisfeldern aufgabeln und uns auf den offensichtlichen Pfad fuehren. Mittlerweile ist es 8.30 Uhr und wir beginnen mit dem Abstieg in den Canyon. Der Weg hinunter zum Colca-Fluss ist steil und steinig, man kommt also nicht wirklich schnell vom Fleck, aber immerhin verzieht sich so langsam der Nebel. Gut anderthalb Stunden spaeter haben wir uns die 1000 Hoehenmeter in Serpentinen hinunter gekaempft und wackeln ueber die Haengebruecke. Unser einziges Gepaeck ist Svenjas Trekking-Rucksack, der gute 10 Kilo wiegt und bis auf eine Schwaechephase von Michael getragen worden ist. Unten am Fluss ist es ploetzlich knackig heiss und wir tragen Sonnencreme auf, ehe uns ein saftiger Aufstieg (500 Hoehenmeter) zum naechsten Dorf fuehrt. Oben angekommen - Michael geht mittlerweile auf dem Zahnfleisch - erwartet uns ein Carnevalsfest zu Ehren der Vrgen de la Candelera, was die Getraenkepreise auf das 5fache des Normalpreises schnellen laesst. Wir haben allerdings keine Wahl und schlagen zu. Ein Mittagessen ist hier allerdings ein Ding der Unmoeglichkeit, sodass wir in der prallen Sonne weiter muessen. Auch im nahen Nachbardorf, ist wegen des Festes alles ausgeflogen und uns wird klar. Wir muessen ins dritte Doerfchen, wo wir auch vorhatten zu uebernachten, damit aus dem Essen noch was wird. Besagtes Dorf liegt allerdings wieder unten am Fluss, sodass wir die hochgekaempften Hoehenmeter wieder runter muessen. Todesmutig klemmt Svenja sich nun den Rucksack auf die Schultern und wir schleichen abwaerts. Voellig abgekaempft erreichen wir schliesslich San Juan de Chucclo, wo uns Gloria von der Strasse aufgabelt, uns ein leckeres Mittagsessen zaubert, uns ein Zimmer anbietet uns sogar mit heissem Wasser in der Dusche ueberrascht. Fuer uns das Paradies auf Erden. Wir schlafen noch vor dem Abendessen ein, wachen aber noch rechtzeitig auf. Mit vollem Bauch geht es gleich wieder ins Bett, denn die Nacht wird kurz. Um 2.30 Uhr klingelt der Wecker und im Kerzenschein packen wir den Rucksack, den dieses Mal ich auf den Ruecken geschnallt bekomme und wir strampeln uns mit Stirnlampen bewaffnet im Gaensemarsch die letzten 1000 Hoehenmeter zur Canyonkante hinauf. Die Kombination aus Hoechstbelastung inklusive Schweissausbruechen mit der nebligkalten Canyonluft schreit zwar nach Erkaeltung, aber wir erfreuen uns bis dato bester Gesundheit. Den Nebel unter uns lassend wandern wir zwar mueder aber doch stolz die letzten Meter an der Kante des Canyons entlang und freuen uns ueber die ersten waermenden Strahlen am noch jungen Morgen. Da kein Boleto-Verkaeufer in Sicht ist, huschen wir in den Bus zurueck nach Arequipa und verschlafen fast die gesamte Fahrt. Selbst ein mystischer koreanischer Thriller, bei dem es um eine verrueckte Schwester geht, die glatzkoepfig immer auf der Suche nach einer Langhaarperruecke ist, kann uns dank spanischer Synchronisation nicht wirklich fesseln.

In Arequipa selbst geniessen wir die Vorzuege der Grossstadt, was bedeutet: Billiges Internet, leckerer Kaffee, Supermarkt und Smalltalks mit anderen Touristen (haben sogar zwei deutsche Abiturientinnen getroffen, die fuer ein Jahr durch Suedamerika tingeln). Gut, Michael wurde zwischendurch mal von Prostituierten in den Schritt gefasst, aber ich glaube, das war lieb gemeint.

Morgen brechen wir dann zum Titicaca-See nach Puno auf. Aber vorher verlinke ich Euch noch flott ein Lied auf Youtube, das hier in den Radios und Musikkanaelen rauf und runter laeuft.  Viel Spass beim Anhoeren und schoen tapfer weiterlesen:

http://www.youtube.com/watch?v=M6mFtjU-MIE

2 Kommentare 4.2.08 21:45, kommentieren

Ay ay ay {eijeijei}

Tag allerseits. 

Der geneigte Leser mag vielleicht denken, die laengere Schreibpause gehe einher mit jeder Menge Langeweile und Monotonie, dem ist aber ganz sicher nicht so. Ganz im Gegenteil: Die letzte Woche war so voll mit koerperlich und geistig anstrengenden Ereignissen, dass ich gar nicht dazu kam, respektiv ueber das ein oder andere zu berichten. Aber packen wir es an:

Um von Huancayo nach Huancavelica zu gelangen waehlen wir dieses Mal ein neues Verkehrsmittel, und zwar den Zug. Die Fahrt absolvieren wir mit einem Standardwagon ueber Schmalspurschienen, was bedeutet, dass sich der gesamte Zug permanent gefaehrlich in beide Richtungen (links-rechts) neigt, sodass an Schlafen trotz des Wiege-Effekts nicht zu denken ist. Gluecklicherweise tuckert der Zug mit einer Maximalgeschwindigkeit von 30 kmh durch die landschaftlich reizvolle Umgebung etlang eines sich windenden Flusses, sodass die Ausmasse eines potentiellen Umkippens ueberschaubar bleiben. Natuerlich erklaert sich so auch die Fahrzeit von rund 5 Stunden fuer die laecherlichen 150km. Alles halb so wild, immerhin gibt es kleine Tischchen im Abteil und sogar warmes Essen und Getraenke. Wir kloppen uns im Stundentakt Choclo con Queso (Maiskolben mit einem Stueck salzigem Kaese), regionaltypisches Brot, Oreo-Keks-Imitationen und Tunas rein. Letztere sind Kaktusfeigen mit rund 25 unverdaulichen Kernen, die uns von den zwei Opas vom Nachbarsitz spendiert werden. Nach skeptischem Nachfragen, ob man die Kerne auch wirklich mitessen kann, versichern uns die zwei, dass jene Ballaststoffe eine verdauungsfoerdende Wirkung aufweisen, und Svenja und ich machen auch gleich die Probe aufs Exempel.

In Huancavelica laeuft alles nach gewohntem Schema: Zuerst muss man etliche Angebote von Taxifahrern freundlich aber bestimmt abschlagen, dann laeuft man die 300m zu Fuss in die Innenstadt, bezieht eine billige, aber saubere Unterkunft, wo das Gepaeck abgeladen wird, dann erkundet man die Stadt nach brauchbaren Restaurants, klappert die sehenswerten Kirchen ab und stattet der Tourist-Info einen Besuch ab, um sich nach Wanderungen zu erkundigen. So auch dieses Mal. Erwaehnenswert ist die Tatsache, dass Merida nicht all zu viele europaeische Touristen zu Gesicht bekommt und man deshalb haeufig bestaunt wird. Wir goennen uns einen 2-taegigen Aufenthalt, den wir mit einer Wanderung in den Bergen kroenen. Hier durften wir auch erstmals unser Equip auf Regentauglichkeit testen, da wir gegen Mittag in einen ordentlichen Schauer geraten sind. Unser Dank an dieser Stelle richtet sich verstaendlicher Weise an Jack Wolfskin, Lowa und Mammut. Am naechsten Morgen gehts ab 5 Uhr in einem rappelvollen Bus nach Rumichaka, wo uns Anschluss gen Ayacucho versprochen wird. Es macht uns ein wenig stutzig, dass viele der Peruaner Kotztueten mit sich fuehren, von denen sie zu unserem Leidwesen auch Gebrauch machten. Offenbar bekommt selbst den Einheimischen die Ruckeltour ueber unbefestigten Strassen durch zerklueftet Taeler und schneebedeckten Paessen nicht sonderlich. Wir bleiben allerdings tapfer und behalten unser Essen da, wo es hingehoert. Im Bus selbst verkauft man uns Busfahrten inklusive Platzkarten nach Ayacucho, was unsere Herzen hoeher schlagen liess. Die anschliessende Fahrt im Collectivo (Ihr erinnert Euch, die Kleinbusse) grenzte schon allerdings an einen Albtraum, da die jeweiligen Plaetze im VW-Bus (insgesamt 19 an der Zahl) die Breite einer Sabine Schlecker hatten. Waehrend sich Svenja und Michael einen 2er (nach deutschen Massstaeben bestensfalls ein etwas breiterer Behindertensitz) teilen durften, wurde ich auf die Rueckbank verfrachtet und zwar zwischen drei dickeren Herrschaften, was mir den Komfort einer Oelsardine verschaffte. Fuer alle Plaetze galt zudem, dass man sich die Beine mangels Freiheit im Fussraum hinter die Ohren schnallen musste, sodass nicht  nur gedanklich Termine beim Ergotherapeuten gebucht wurden, sondern auch die Koerpertemperatur binnen Sekunden auf bedrohliche 43 Grad stieg. Jacke ausziehen ohne seinen Sitznachbarn zu erdrosseln unmoeglich. Unser Gepaeck verweilte immerhin genauso wie drei Huehner in einem Sack auf dem Dach. Letztere haben den Zuckungen des Sacks beim Abladen anscheinend den Trip besser ueberstanden als wir.

Etwas benommen erreichen wir also Ayacucho, einem Andenstaedchen, in denen besagter Sentoro Luminoso in den 80ern und 90ern am haeftigsten tobte bzw. sogar geboren wurde. Die Stadt ueberrascht dank seiner nicht so hohen Lage mit angenehm warmen Temperaturen und seltenen Niederschlaegen. Etwas ausserhalb liegen an einer Strasse aufgereiht einige Wari-Ruinen und noch weiter entfernt das Staedtchen Quinua, das nicht nur fuer seine Keramikkunst bekannt ist (auf jedem Dachfirst kann man solche Keramikfiguren bestaunen), sondern auch Schauplatz des Befreiungskampfes gegen die spanischen Eroberer ist. Selbstredend lassen wir uns dieses Staedchen nicht entgehen und machen eine Tagestour dorthin. Noch vor dem riesigen Monolit, der an die denkwuerdige Schlacht erinnern soll, fangen uns ein paar einheimische Kids ab und wollen mit uns tanzen und singen. Wir sind natuerlich sofort Feuer und Flamme und bewegen uns mit den halben Metern geschmeidig wie Guildo Horn mit Motsi Mabuse. Grosszuegig quittieren wir den Spass mit einer Handvoll Bonbons, ueber die sich die Kinder gierig hermachen. Nachdem wir den kulturellen Teil unseres Aufenthalts mit ernster Miene und vielen Fotos absolviert haben, gehts zurueck nach Ayacucho, wo wir alsbald Opfer von Wasserbombenattacken werden. Mit geduckten Koepfen hetzen wir schnellen Schrittes zurueck ins Hostal und fragen erst Mal nach moeglichen Motiven, um im Januar mit Wasserbomben zu schmeissen. Die Antwort faellt einfach und einleuchtend aus: Karneval!  Die folgenden Tage mustern wir jeden Einheimischen, als sei er ein Terrorist mit dem Erfolg, dass wir aller hoechstens noch nasse Fuesse bekommen. Mit dem Nachtbus setzen wir unsere Rundreise nach Cusco fort, um endlich den Hoehepunkt in Peru anzusteuern: Machu Picchu. Dem im Wege steht ein 24-Stundenaufenthalt im haesslichen Andahuaylas sowie eine weitere Busfahrt. In Cusco, der Touristenhochburg, in der wie so viele Amis, Deutsche, Franzosen, etc. sehen, wie in den letzten 2 Monaten zusammen, finden wir mit viel Geschick wieder eine preisguenstige Abstiege in der Resbalosa (woertliche Uebersetzung dieser Steilen mit etlichen Treppenstufen und unebenem Kieselzement versehenen Strasse lautet "Ausrutscher". Der Rest dieser einstigen Inka-Hauptstadt strotzt vor Geschichte und architektonischen Besonderheiten, sodass sich eine Aufzaehlung an dieser Stelle nicht verwirklichen laesst. Wir bestaunen die fugenlose Baukunst der Inkas genau so wie die protzigen Kirchen der Spanier, die ihre immer wieder von Erdbeben gepeinigten Bauten auf den stabilen, mitschwingenden Grundmauern alter Inkapalaeste errichtet haben. Wir goennen uns nach langer Zeit sogar mal wieder einen Museumseintritt, wo wir archaeologische Funde aus der Prae-Inka-Zeit, der Inka-Zeit und der darauffolgenden Besatzungszeit bestaunen. Kulinarisch lassen wir es uns auch mal wieder gutgehen, indem wir in schnuckeligen 2-Mann/Frau-Betrieben 3-Gaengemenues verputzen, die allesamt nicht mehr als 10 Soles (ca. 2,5 Euro) kosten.

Am 3. Tag starten wir schliesslich das Unternehmen Machu Pichu, das heisst: 4 Uhr aufstehen, zum Busbahnhof an der Puente Grau laufen, in den Bus nach Ollantaytambo einsteigen, wo wir 3 Stunden spaeter ankommen, dort Aufenthalt bis 11.30 mit Kartenspielen und Choclo-Essen ueberbruecken, mit dem sau-teuren Backpacker-Zug (es gibt nach Machu Picchu keine Alternative ausser dem noch viel teureren Inka- (Gringo-)Trail) nach Agua Calientes fahren, wo der Baer tobt. Hunderte von Touristen tummeln sich in diesem haesslichen, aber strategisch guenstigen Dorf direkt unter Machu Picchu, und ebensoviele Einheimische versuchen einen in ihr Hotel/Restaurant/Imbissbude zu zerren. Irgendwie schaffen wir es eine akzeptable Unterkunft zu ergattern und uns die Eintrittskarten (122 Soles =30 Euro), die natuerlich auch viel zu teuer sind, fuer Machu Picchu vorab zu besorgen. Obwohl ich keine Internationale Studentenkarte habe, schindet die gute, alte Tunika genuegend Eindruck, um mir einen 50% Preisnachlass zu ergattern. Am naechsten Morgen geht es wieder um 5.30 aus den Federn. Bei stroemendem Regen, feilschen wir um den Preis fuer drei Regenponchos aus Muellbeutelstoff und machen uns auf den Fussweg zu Machu Picchu, da der Bus happige 12 Dollar kosten soll. Die folgenden 50 Minuten werden grausam. Der Poncho schuetzt uns zwar vor dem Regen, die rund 900 Stufen, die ganz und gar nicht die Trittgroesse der kleinen Inka aufweisen, bringen uns aber schon nach wenigen der insgesamt 400 Hoehenmetern ins Schwitzen. Wir  ueberholen noch 4 keuchende Touristen samt Guide, der uns gerne gefolgt waere und erreichen gegen 7 Uhr die Inkaruinen. Die folgenden 4 Stunden entschaedigen fuer den muehsamen Anstieg allemal. Obwohl auch hier etliche Stufen zu bewaeltigen sind, geniessen wir bei strahlendem Sonnenschein die ehrwuerdigen Staette in vollen Zuegen. Einzig das Fehlen eines Klos bzw. eines Kiosks zwingt uns gegen Mittag zum Abstieg, wo wir gluecklich, aber geschafft unter die Dusche und dann in die Betten fallen. Auch am darauffolgenden Tag geht es um 4.15 aus den Federn, schliesslich sollen wir uns um 5 Uhr zur Rueckfahrt am Bahnhof einfinden. Erst Zug, dann Bus und wir sind wieder in Cusco, wo ich jetzt an einem Rechner sitze und verzweifelt nach einer Bleibe ab Maerz suche. Heute morgen haben wir wieder in aller Herrgottsfruehe (Aufstehen war um 5.30) eine Festung wenige hundert Meter noerdlich der Stadt besucht, um den Eintritt zu sparen. Trotz der Warnungen des Reisefuehrers, dass auf dem beschwerlichen (und stufigen!) Aufstieg haeufig Wegelagerer und Diebe lauern, haben wir das Wagnis auf uns genommen und uns ist auch nix passiert.

Fazit der Woche: Urlaub heisst nicht: Lange Ausschlafen. Und dank der 1000 Treppen habe ich in der Andenhoehe mittlerweile eine Ausdauer wie Uschi Disl und Oberschenkel wie Gunda Niemann-Stirnemann. 

1 Kommentar 28.1.08 22:25, kommentieren

Huhu aus Huancayo

Okay, wo waren wir stehengeblieben?

Die 10-stuendige Nachtfahrt nach Huancayo verlief ohne nennenswerte Zwischenfaelle, sodass wir zwar leicht muede aber doch voller Zuversicht unsere neue Unterkunft ansteuerten. Wie so hauefig verlassen wir uns in solchen Situationen auf den lonely planet, der immerhin eine Trefferquote von nahezu 60% aufweist. Die restlichen 40% der Tipps sind entweder so veraltet, dass es betreffendes Hostal/Restaurant/Internet-Café entweder nicht mehr gibt, es anders heisst oder zumindest die Preise anghoben hat. Nun gut, unser heisser Tipp des Tage war die Hospedaje Baldeón, die von Edeltraut (natuerlich nicht ihr echter Name, aber die 3-koepfige Reisegruppe konnte sich schnell auf diese Namensgebung einigen) gefuehrt wird. Edeltraut ist bestimmt Mitte 70 aber noch gut in Schuss und stets freundlich aber bestimmt. Zusammen mit dem taub-stummen Opa (namenslos), der stets grinst und auch stramm auf die 80 zugeht, fuehrt uns Edeltraut durch ihr kleines, sauberes aber doch sehr einfaches Reich. Die Zimmer sind recht karg moebliert. 4 eiserne Betten mit stahlharten Matrazen (nach den Flitzebogen-Betten in San Pedro und Lima allerdings eine ueberraschend wohltuende Abwechslung) draengeln sich in dem dunklen Raeumchen zusammen mit einem Holztisch in der Ecke. Die Decke illustriert vergangene Wasserschaeden, dessen Behebung wir optimistisch annehmen. Quer neben dem Lichtschalter (gegenueber vom Eingang) haengt die Jungfrau Maria schief laechelnd mit dem kleinen Jesus im Arm von einem Bild herab, das Kabel von der Deckenlampe verlaeuft recht symmetrisch zu den Rissen in der Decke zum Oberlicht unserer zweifluegligen Tuer, wo es durch einen fingerdicken Schlitz nach draussen wandert. Die Tuer selbst ist aus Holz und kann nur mit dem dicken Vorhaengeschloss annaehernd geschlossen werden. Wie Ihr Euch denken koennt, verlieben wir uns auf Anhieb in dieses Schmuckstueck der Backpackerbleiben und besichtigen gierig die sanitaeren Anlagen im Hof. Nebeneinander aufgereiht protzen im fruehen Morgenlicht das Freiluftwaschbecken, die zwei Duschkabinen, die tatsaechlich auf Wunsch Warmwasser ausspucken und schliesslich das Klo, inklusive Klobrille und Wasserspuelung. Als Edeltraut schliesslich mit dem Preis, 10 Soles pro Person (1 Euro = 4,3 Sol) rausrueckt, schlagen wir sofort zu. Denn nach dem recht teuren Venezuela-Aufenthalt mit den kostspieligen Touren und Fluegen haben wir uns das Steinbruecksche Sparpaket auferlegt. Unser Ziel: Mit weniger als 150 Sol (= ca. 39 Euro) auskommen, was pro Person ein Auskommen von ca. 13 Euro bedeutet. Natuerlich faellt das mal leichter und mal schwerer.

Denn am sonntaeglichen Kunstmarkt hier in Huancayo konnten wir nicht widerstehen und haben uns jeweils einen Alpaca-Pullover gekauft. Ein Bild in diesem Outfit existiert bislang noch nicht, kommt aber noch. Weiterer Kostenpunkt sind CDs und DVDs, die hier umgerechnet zwischen 25 und 75 Cent kosten. Habe mir neben lustiger peruanischer Musik und der CD "Fiesta Sin Limites" ausserdem eine 5er DVD im MPEG4-Format zugelegt auf der "Von Loewen und Laemmern" drauf ist, da ich diesen Film ja leider in Deutschland verpasst habe. "Saw 4" ist auch drauf (freu!). Ansonsten wissen wir aber sehr gewissenhaft zu sparen. Gestern Abend zum Beispiel waren wir vegetarisch essen (Im Land des Carne und Pollo eine echte Wohltat) und haben jeweils fuer ein 3-Gaenge-Menue bestehend aus Riesenteller Gemuesesuppe mit Nudeleinlage, Tortilla mit Reis, Erdbeerjoghurt und Mate (Kraeutertee) gerade mal 75 Cent bezahlt. Bislang haben uns bei solchen kulinarischen Abenteuern auch noch keine schlimmeren Magengeschichten heimgesucht, die sich nicht haetten mit Trockenpflaumen kurieren lassen.

Die lustigste Geschichte der vergangen 5 Tage hier in Huancayo habe ich Euch allerdings noch gar nicht erzaehlt (pfeif auf das Prinzip der inverted pyramide). Denn am Sonntag sind wir auf geheiss einer lokalen Touranbieterin ins etwas ausserhalb gelegene Azapampa gefahren, um dort das traditionelle Gericht  Pachamac zu verspeisen. Pachamac ist ein riesiger Teller voll mit Bohnen, Maisbrei im Maiskolbenblatt, Kartoffeln und Schweinefleisch aus der Schulter. Das allein ist jetzt noch nicht so lustig, aber kurz bevor uns das Essen serviert wurde, hat uns eine Frau angesprochen, ob wir uns nicht an ihren Tisch setzen wollten, denn ihr Vater feiert heute 71 Geburtstag und sie wuerden gerne mit uns feiern. Gesagt, getan und wenig spaeter sitzen wir an der Familientafel und stossen alle 4 Minuten mit dem spendierten Bier vom Geburtstagskind auf sein Wohl an. Natuerlich laeuft es bei uns wie immer, wir verstehen dank unserer rudimentaeren Castellano-Kenntnisse nur den Bruchteil der Geschichten und Fragen und versuchen das nicht einmal mehr mit einem Dauerlaecheln zu vertuschen. Zum Essen kommen wir kaum, denn erst werden unserer Familienstaende abgefragt und dass ich Single (= soltero) bin, sorgt fuer allgmeien Heiterkeit. Zwischen den Trinkspruechen, die im Stehen abgehalten werden, muessen wir immer wieder fuer Handyfotos posieren - mit jedem einzelnen Familienmitglied versteht sich. Michael, der kein einziges Wort Castellano versteht geschweige denn spricht, sitzt neben Oma, die ihm zunaechst mit Haenden und Fuessen erklaeren will, wie er das Pachamac zu essen hat, aber bald merkt, dass das nicht erfolgsversprechend ist, legt irgendwann selbst Hand an: Zuerst puhlt sie die Bohnen aus den Schoten, ehe sie die Bohnen an einer Seite sanft aufreisst und Michael den Inhalt ohne aeussere Haut in den Mund quetscht. Dann zupft sie ein wenig Fleisch ab und fuettert Michael auch damit. Dass sie nicht in die Serviette spuckt und ihm damit den Mund abwischt ist alles. Naja, irgendwann kurz vor Schliessung des Lokals brechen alle auf und wollen uns zum Tanzen in der Hospedaje abholen. Gluecklicherweise hat sich dieser Plan anscheinend zerschlagen. Aber wer weiss was uns naechste Woche passiert.

Wer auf Postkarten auf Peru hofft, muss an dieser Stelle leider enttaeuscht werden, wir waren naemlich heute Karten kaufen und sind am Postschalter fast umgefallen als wir die unverschaemten Briefmarkenpreise erfuhren. 6,50 Sol also umgerechnet 1,50 Euro wollen die hier fuer die Briefmarke nach Europa. Der Spass ist uns zu teuer gewesen, sodass wir hoechstens aus Bolivien ein paar Karten verschicken. In Venezuela habe ich auch schon einige auf den Weg gebracht, aber angeblich sind die noch nicht angekommen.

2 Kommentare 16.1.08 01:44, kommentieren

Amo Peru

Hey ihr Lurker,

mit gemischten Gefuehlen habe ich die ersten Kommentare und Gaestebucheintraege vernommen. Mit Bildern ist hier auf myblog.de nicht viel, sodass ich meine Kreativitaet beim Textdesignen nicht gaenzlich ausschoepfen kann, aber wenn jemand von Euch noch eine andere Plattform kennt, wo man mehr Speicherplatz hat, sich nicht gross anmelden muss, nix zahlt und von jedem x-beliebigen Internet-Café drauf zugreifen kann, dann nur raus mit den Vorschlaegen.

Just in diesem Moment sitze ich in einem Internet-Café in Lima. Die 10-stuendige Busfahrt von Mérida nach Caracas war mit Muetze, Schlafsack, Socken und zwei Kannen Tee recht vertraeglich. Auch der Transfer zum Flughafen verlief via Metro, Fussmarsch und singendem Taxifahrer wie am Schnuerchen, sodass wir trotz kleinerer Turbulenzen, die bei rund 15 % der Passagieren einen erbitterten Run auf das einzige Boardklo ausloesten, heil und zeitig in Lima gelandet sind. Nachdem wir wieder ein halbes Stuendchen an der Uhr gedreht haben, befanden wir uns um 23.30 Uhr Ortszeit (also 6 Stunden hinter der MEZ) am Flughafen in Lima und stellte mit Freude fest, dass so gut wie alle Geschaefte und Imbissbuden 24 Stunden geoffnet waren. Also noch flux einen Imbiss bei McDonalds eingeschoben und in der Wartehalle ein kleines Nachtlager ausgebreitet. Die Nacht verlief angenehm ruhig und gemuetlich, bis um 3 Uhr morgens das grosse Stuehleruecken begann, damit eine Wischmaschine den eh schon blitzblanken Boden noch sauberer schrubben konnte. Wir also mitsamt den rund 200 Stuehlen aus der Wartehalle in eine Ecke verkrochen, die Maschine durchsausen lassen und zurueck in die Heia. Am naechsten Morgen bei Dunkin' Donuts gefruehstueckt (igitt) und ab in ein rammelvolles Collectivo in die City von Lima.

Collectivos sind kleine und hoffnungslos veralterte VW-Busse, in denen man mit bis zu 20 Fahrgaesten, teilweise auf Fresbee-Scheiben grossen Sitzkissen gerne auch mal gegen die Fahrtrichtung mit seinem 15Kilo-Backpack Kurz- und Mittelstrecken meistert. Nur echt mit wahnwitzigen Spurwechseln, einer hochfrequentierten Fahrgastfluktuation, ohrenbetaeubenden Hupkonzerten, usw.

Gegen Vormittag erreichen wir schliesslich unserer gemuetliche Posada im gehobenen Stadtviertel Miraflores, wo wir fuer die naechsten drei Tage zusammen mit dem Neuseelaender Neil uebernachten. Wir geniessen die triebsame aber doch entspannte Atmosphaere Miraflores, erkunden Kolonialbauten und Kirchen in der Altstadt und wagen uns in etwas fragliche Stadtbezirke, in denen Autoteile recycelt werden oder Papierherstellung betrieben wird. Hier ereignete sich auch unser bislang einziger unschoener Zwischenfall, in der Naehe des Busterminals, von wo wir heute abend gen Huancayo aufbrechen werden. Nachdem wir einen geistig verwirrten Typen, der uns staendig die Haende schuetteln wollte und auf Michaels Tauchcomputer-Uhr scharf war, abgeschuettelt haben, gabeln uns zwei Halbstarke an einer Kreuzung auf und bitten zunaechst um Geld zum Essen. Als wir diesen Wunsch abschlagen, werden sie etwas ruppiger und halten (wen wohl?) mich fest, um mir an die Hosentaschen zu gehen. Offensichtlich haben sie sich in ihrer Phantasie ausgemalt, dass die viereckige Beule in meiner rechten Oberschenkeltasche (mit Reissverschluss) auf unendliche Reichtuemer hindeutet, aber dieser "Schatz" waere wohl fuer die zwei zu ideell gewesen, denn in der Tasche steckte lediglich mein kleines Pons-Woerterbuch. Naja, zur Vollstreckung kamen sie erst gar nicht, da mir zum einen Michael zur Seite gesprungen ist und zum anderen die nicht-kriminellen Limanesen eingriffen. Da wir mittlerweile mitten auf der Strasse rangelten, hielt ein weisser Jeep mit ordentlich Tempo einfach mal drauf und schuppste die Jungs "sanft" mit der Stossstange von mir fort. Diese Aktion hatte Wirkung, sodass die Jungs zusammen auf einem Fahrrad ohne Beute das Weite suchten. Der Rest des Limaaufenthalts verlief weitaus unspektakulaerer. Wir kloppen uns abends in den verschiedensten Restaurants 2-Gaengemenues fuer umgerechnet 4 Euro rein und zelebrieren Einkaeufe im Vivanda, einem 1st-class-Supermarkt, der Plus, Edeka und Co. alt aussehen laesst. So lange man kein Flensburger, Nutella oder Toblerone kauft, ist es auch schoen billig. Und wir haben uns im Museo de la Nación ein wenig ueber die juengste Geschichte Perus schlau gemacht. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht wusste, dass hier bis in die 90er Jahre noch Buergerkrieg herrschte, an denen eine teils politische teils terroristische Gruppe namens "Leuchtender Pfad" massgeblich beteiligt war.

Vor 3 Tagen sind wir schliesslich in das 3.100m hoch gelegene Andendoerfchen San Pedro de Casta aufgebrochen. Unsere bislang gefaehrlichste Busfahrt ueber holprige Schotterpisten an Bergketten entlang, ohne Grenzsteine oder Leitplanke, dafuer mit etlichen Kreuzen am Strassenrand war nur aus dem Grund psychisch meisterbar, weil es sau neblig war. Es ist naemlich grad Regenzeit in den Anden und das heisst, dass es ab mittags regnet und die Sicht unter 50 Meter sinkt. In dem Hostal, das uns Lonely Planet in San Pedro de Casta (etwa 750 Einwohner) empfiehlt, sind wir die einzigen Gaeste und werden wie lang verschollene Familienmitglieder behandelt. Man nimmt uns an die Hand und fuehrt uns abends um 8 noch 6 Haeuser weiterzu einer lieben Oma, die uns Reis, Spiegelei und Koka-Tee zubereitet. Ausserdem decken wir uns in ihrem "Supermarkt" mit Suessigkeiten, Wasser und Obst fuer die morgige Trekkingtour ein. Hostalvater Oscar besorgt uns ausserdem einen Guide (Omar), der uns morgens frueh um 6 Uhr zum Aufstieg nach Marcahuasi abholt. Die Betten sind zwar scheusslich und eine Heizung gibt es auch nicht, aber trotzdem fuehlen wir uns pudelwohl. Die reizende 4-jaehrige Mirella (Oscars Tochter) plappert staendig in spanisch auf uns ein, klaut mir Muetze und Woerterbuch, will staendig auf unseren Schultern sitzen, beschmeisst uns mit Kissen, isst mit uns Orangen (natuerlich nicht um uns lauthals vor den gefaehrlichen Pepas, den Kernen, zu warnen) putzt sich mit Svenjas Zahnbuerste anschliessend die Zaehne, ehe sie sich mit rund 100ml Sonnencreme und Aftersun-Lotion einschmiert.

Die Tour nach Marcahuasi war anstrengend aber schoen. Omar hat uns sogar fuer unsere Fitness gelobt, obgleich sich die Hoehe doch bei unseren Kreislaeufen und Svenjas Beinen (wir hatten zwischendurch schon Querschnittslaehmungs-Alarm, aber sie spuert ihre Beine inzwischen wieder) bemerkbar machte. Auf fast 4000m Hoehe bestaunen wir schliesslich, das Hochplateau, das von nahezu mystischen Felsformationen und alten Inkagraebern gesaeumt ist. Fuer die indigene Bevoelkerung ist dieser Platz kulturell uns spirituell angeblich von grosser Bedeutung, wir sind einfach froh, dass wir nach der koerperlichen Anstrengung noch irgendwelche Gestalten wie Gesichter und Tiere in den Felsen erkennen koennen. Da es uns froestelt machen wir bald den Abstieg zurueck ins Dorf, wo wir uns mit kalten Duschen und unseren Schlafsaecken wieder aufwaermen.

Heute sind wir morgens um 7 aufgebrochen, haben 3 Stunden Klippenfahrt absolviert, 2 Stunden Teerfahrt zurueck nach Lima ueberstanden und vertroedeln uns nun die Zeit zu unserer Nachtfahrt nach Huancayo. Wegen des Vorfalls werden wir vermutlich ein Taxi zum Busbahnhof nehmen. Laut Reisefuehrer hat Huancayo den Charme einer Stadt des Wilden Westens. Wie Ihr Euch denken koennt, werde ich dazu ausfuehrlichst berichten. :D

1 Kommentar 10.1.08 23:46, kommentieren